Liebe Bruderbewegung!
Ich habe die drei Dialoge von einerseits 2015 „Einmal gerettet, immer gerettet“ (EGIG) und andererseits von 2009 sowohl „Kann ein Christ sein Heil verlieren?“ als auch „Allversöhnung …“ erst jetzt gelesen, fasse diese Dialoge zu einem Thema zusammen und halte dieses für ein sehr wichtiges und denke, dass ich etwas zur Klarheit darüber beitragen kann. Da diese Dialoge aber schon sehr lange zurück liegen, habe ich hierfür ein neues Thema eröffnet.
Von islamischer Seite wird der Streit um EGIG in der Christenheit verfolgt. Die sagen Folgendes: „Wenn eurer Gott schon alle Schuld (verursacht durch alle vergangenen und künftigen Sünden) bezahlt bekommen hat (durch Christi Sühneopfer am Kreuz): Wieso vergibt Gott dann nicht einfach allen? Das heißt, warum nicht Allversöhnung? Dann wäre der EGIG-Streit bei euch gegenstandslos.“ Wir Christen sagen, es fehle noch der Glaube. Das sagen alle, sowohl Fürsprecher als auch Widersprecher der EGIG-These. Aber warum diese eine Bedingung noch? Wenn doch alles bezahlt ist, wie Jesus am Kreuz sagt (Joh19,30). Wenn diese Frage, die dem EGIG-Streit vorgeschaltet ist, sauber beantwortet werden könnte, dann könnte dieser unselige Streit m.E. beseitigt sein.
Ebenso sei die Frage schon gestattet, mit welcher Berechtigung die EGIG-Befürworter behaupten, es brauche nur einmal geglaubt zu werden, um ein für alle Mal gerettet zu sein. Warum denn nun diese Einmaligkeit? In beiden Fällen - Allversöhnung kontra EGIG - kann ich die Unsicherheiten im Glauben daran verstehen. Andererseits ist aber ebenso unsicher, dass ein permanenter Zustand des Glaubens erst zum Heil führen soll. Denn wie oft darf ich, wenn überhaupt, den Glauben unterbrechen, um meine Errettung nicht zu verlieren? Dann fange ich erst kurz vor meinem Tod mit dem Glauben an, um dieser Gefahr zu entgehen, oder wie? Und dann: Wie tief muss ich glauben? Ich käme nie zu einer Heilsgewissheit, dem Alleinstellungsmerkmal des Christentums gegen alle anderen Glaubenssysteme. Um meine Unsicherheit in dieser Hinsicht zu verdeutlichen, denke ich jetzt extrem: Wenn ich eine Stunde vor meinem Tod den Glauben aufgeben würde (bspw. aus Verzweiflung meiner Todkrankheit oder anderer Schicksalsschläge oder einfach aus einer Dummheit oder Laune heraus), hätte ich das ewige Leben verwirkt. Und das nur, weil ich nicht bis zur letzten Stunde "im Glauben ausgeharrt" hätte, ungeachtet meiner Treue davor. Oder ist Glaube eine Ermessensfrage, die erst am jüngsten Tag geklärt wird, mit der Fragestellung: „Hat es für mich gerecht oder nicht?“. Dann wären wir nicht mehr sehr weit vom Islam entfernt. Alles das kann es doch nicht sein. Es befriedigt mich auch nicht, wenn gesagt wird, nur die Bibel allein zähle. Bei aller Gelehrsamkeit und Bibeltreue muss die Exegese der Bibel zu plausiblen Aussagen führen und darf schon gar nicht zwei verschiedene und einander widersprechende Auslegungen zulassen. Der EGIG-Streit scheint Letzteres aber zu offenbaren.
Ich mache hier einen Vorschlag zur Schlichtung dieser Reibereien, wobei ich diesen Versuch hier stark komprimieren muss. Ich beschränke mich auf 11 Punkte, die sukzessive aufeinander aufbauen. Ich begründe also, warum und welcher Glaube notwendig und hinreichend für die Errettung ist. Dabei hämmert in meinem Kopf natürlich immer die Frage: „Liege ich damit richtig?“. Eine Frage an alle! Also los!
(1) Bei meiner Errettung vor der Hölle, d.h. der Gewährung meines Heils, d.h. meiner Rechtfertigung vor Gott geht es um die Vergebung aller meiner Sünden (1Joh1,7; Rö3,25; Rö4,7-8, Ps32,1, Apg10,43), vergangener und künftiger.
(2) Diese Vergebung bietet Gott jedem Menschen an (Neh9,17b; Lk24,47, Rö3,25). Damit besagte Vergebung zustande kommen kann, bleibt einzig und allein nur noch eines übrig:
(3) Ich muss das Angebot zur Vergebung annehmen (1Joh1,9). Denn sie ist ein bilateraler Akt.
(4) Diese Annahme kann nur erfolgen mit dem heilsbringenden Glauben (Hab2,4b; Eph1,13; Joh3,15-18; Joh1,12; Apg10,43; Gal5,5-6), der darin besteht,
(5) dass es Gott, den alleinigen Schöpfer alles Bestehenden, überhaupt gibt (1Mo1,1),
(6) dass ich Schuld durch Sünde bei ihm habe (Rö3,10-31; 1Joh1,8-9),
(7) dass meine Schuld mich von Gott trennt (Jes59,2),
(8) dass sie zur Vergebung getilgt werden muss (Ps32,1, Ps51),
(9) dass ich zu dieser Tilgung nicht den geringsten Beitrag leisten kann (Tit3,4-5; Eph2,8-9; Apg15,11; Rö3,24f; Gal2,16),
(10) dass Jesus diese Tilgung zu 100% vollbracht hat (Joh19,30; 1Pet2,24).
Dieser Glaube ist für die Errettung notwendig. Denn wenn ich diesen Glauben nicht hätte, dann ergäbe sich für mich keine Notwendigkeit, überhaupt eine Vergebung anzunehmen. Um dies zu zeigen, gehe ich die Punkte des heilsbringenden Glaubens (5) bis (10) - einer baut auf dem vorherigen auf - der Reihe nach durch:
(5) Wenn es Gott für mich gar nicht gäbe: Wer soll mir dann vergeben?
(6) Wenn es Gott für mich zwar gibt, ich aber meine Schuld nicht erkenne: Was soll mir dann vergeben werden?
(7) Wenn ich meine Schuld bei Gott zwar einsehe, aber nicht die Konsequenzen daraus, dann wäre mir diese Schuld egal. Wenn mir Schuld aber egal wäre, wozu dann Vergebung annehmen?
(8) Wenn ich die Schuld und ihre Konsequenzen daraus zwar einsehe, aber eine Tilgung dieser nicht für nötig erachte, dann unterstelle ich Gott großzügiges Hinwegsehen über alle Schuld (Allversöhnung), was aber auszuschließen ist (Hab1,13a) auch im Hinblick auf die Gottesgerichte im AT. Also Gott lässt keine Schuld ungesühnt. Keine Gottesvergebung ohne Tilgung.
(9) Wenn ich Tilgung zwar für nötig erachte, ich aber behaupte, dass meine Schuld durch Menschenhand getilgt werden könne, dann überhebe ich mich über Gott und behaupte, ich kann es selbst. Tilgung wäre meine Eigenleistung. Wozu brauche ich dann noch Gottes Vergebung? Selbst wenn ich wenigstens zur Tilgung etwas beitragen müsste, dann wäre die Gnade Gottes nicht vollständig und somit überhaupt keine Gnade (Rö11,6). Gnade ist ein Geschenk und ein Geschenk ist immer kostenlos. Sie, die Gnade, ist kostenlos, sonst könnte ich nie wissen, wann mein Kostenbeitrag für die Vergebung reiche. Vergebung wäre sonst ein Handel: Tilgung gegen Schuld. Und könnte im Ungleichgewicht wieder zurückgenommen werden. Wie kann ich dann aber auf sie vertrauen? Denn Vergebung ist auch eine Vertrauenssache. Und schlussendlich mutet hier ein Eigenbeitrag angesichts der Erhabenheit Gottes schon fast lächerlich an. Also bis zum Punkt (9) muss ich im Glauben kommen, um bedingungslose Vergebung von Gott zu erhoffen.
(10) Selbst wenn ich nun bis zum Punkt (9) im Glauben vorgedrungen bin, aber nicht glaube, dass Jesus meine Schuld zu 100% getilgt hat, dann kann ich an eine Vergebung nicht glauben. Denn bei Gott gibt es ohne Tilgung keine Vergebung (Hab1,13a , Hebr9,22, Eph1,7, Jes53,5), wie in (8) erkannt.
Wenn ich mich also bis zum Punkt (10) im Glauben nicht durchringe, dann kann die Vergebung, da ich sie nicht angenommen habe – wie eben gezeigt -, nicht zustande kommen, sondern nur das Gericht über mich (Joh3,18). Also ist dieser Glaube zur Vergebung und damit zur Errettung notwendig. Er reicht aber auch schon zur Errettung aus (Hab2,4; Gal3,11; Rö1,17; Hebr10,38). Wenn ich nämlich alle Punkte bis (10) mit meinem Glauben erfülle, dann habe ich schon das Angebot zur Vergebung angenommen. Denn ich zeige mit diesem Glauben schlüssiges Verhalten im Sinne eines Schuldeingeständnisses, und somit ist die Vergebung vollzogen (Joh3,15-18, 1Joh1,9).
(11) Die Argumentation für „Einmal gerettet, immer gerettet“ ist mit der Feststellung abgeschlossen, dass niemand eine Vergebung wieder zurücknimmt, wenn er sie einmal jemandem gewährt hatte. Mit dem heilsbringenden Glauben ist ein – man könnte sagen – Rechtsakt vollzogen, der von Gott nicht wieder zurückgenommen wird (Eph1,13–14, Joh10,28-29, Rö11,29). Mit diesem Akt wurde mein Schuldschein zerrissen (Kol2,14), wurde ich begnadigt (Eph1,6), beschenkt (Rö6,23, Eph2,8, 1Joh5,11), gerettet (Joh3,16), versiegelt (Eph1,13-14, 4,30; 2Kor1,22), wiedergeboren (Joh3,7; 1Pet1,3; Tit3,5), Kind Gottes (Gal 4,7; Joh1,12; Rö8,16-17) und Erbe Christi (Gal 4,7; Eph1,13–14; Rö8,17; „ewiges Erbe“: Hebr9,15-17; 1Pet1,4), erneuert im Heiligen Geist (Tit3,5), bin ich den Sünden abgestorben (Rö8, 1Pet2,24), habe ich ein Unterpfand (2Kor1,22; 2Kor 5,5; Eph1,14), den Geist als Erstlingsgabe (Rö8,23), ewiges Leben (Joh3,16) und Salbung empfangen (1Joh2,27, 2Kor1,21). Alle diese Vergleiche, die Jesus und die Bibelschreiber für das Heil verwenden, weisen auf einen irreversiblen Vorgang hin und bestätigen, dass mit dem Aufkommen meines heilsbringenden Glaubens die von Gott angebotene Vergebung meinerseits angenommen wurde und nun ewig ist.
Bis hierhin zusammenfassend gesagt: Wenn ich die Handreichung Gottes zur Vergebung ausschlage oder ignoriere, dann kann Gott mir nicht verzeihen. Ich würde ihn, obwohl er mir vielleicht sogar hinterherrennt, buchstäblich im "Regen stehen lassen". Das würde sich nicht einmal ein Mensch gefallen lassen. Schlage ich aber ein, dann ist die Vergebung vollzogen und meine Errettung mir sicher. Also: Nicht Allversöhnung, sondern Rettung durch Glaube, aber „Einmal gerettet, immer gerettet.“
Auch wenn es in der Bibel Verse geben sollte, die verschiedene Interpretationen zulassen mögen und denen man sich widmen sollte, bleibt diese hier angeführte Interpretation als biblisches Gesamtensemble für mich allein plausibel. Alle evtl. Mehrdeutigkeiten müssen sich im Interesse der Widerspruchsfreiheit der Bibel auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Ich sehe dafür nur diesen hier angeführten Vorschlag in diesem Sinne zielführend, wenn dies auch eine Herausforderung an die christliche Gemeinde darstellen sollte.
Ich verstehe auch, wenn gegenteilige Meinungen vorkommen.
Warum z.B. könnte eine Unsicherheit über die Formel „Einmal gerettet, immer gerettet“ immer noch bestehen bleiben? Schwierig wird es für mich in dieser Hinsicht, wenn ich nicht unterscheiden kann zwischen einerseits dem 1. Schritt, überhaupt Kind Gottes zu werden, d.h. die Vergebung durch Glauben anzunehmen, und andererseits dem Danach, als Kind Gottes weiterzuleben. Das Ziel beim 1. Schritt ist Grund genug, mit der christlichen Bekehrung keine Sekunde zu warten. Es gibt nicht den geringsten Grund dafür. Denn in der nächsten Sekunde könnte es zu spät, da die Bekehrung (Annahme des Glaubens) nur im diesseitigen Leben möglich ist (Hebr9,27-28) . Man kann nämlich nie wissen, ob nicht vielleicht der jetzige Moment der letzte im Leben sein könnte. Für mein Weiterleben nach dem 1. Schritt, d.h. der geistlichen Wiedergeburt kann ich nun zwischen zwei Extremen wählen: Ich ringe ab sofort ständig um ein gutes Verhältnis zu meinem (neuen) Vater, d.h. nur noch für den Lohn im Himmel da sein und deshalb gute Werke tun. Oder der himmlische Vater ist mir egal. Beide Extreme und alle ihre möglichen Abstufungen dazwischen haben unbeschadet meines Heils ihre jeweiligen Konsequenzen, mehr oder weniger Segen oder gar Fluch über mein weiteres Leben. Also einerseits den Vater bekommen und andererseits ein Verhältnis mit ihm aufzubauen und zu pflegen sind die beiden Phasen des Gläubigen in seinem Leben. Beides muss unterschieden werden, sonst wird die Gnade Gottes in ihrer Würde herabgestuft, ja zu einem Kuhhandel degradiert. Das Christentum hätte sein Alleinstellungsmerkmal zu allen anderen Glaubenssystemen (der Atheismus ist auch ein Glaube) verloren, nämlich uneingeschränkte und bedingungslose Gnade, Vergebung und ewiges Leben allein durch Glaube, nicht durch eigene Werke und auch nicht durch irgendein Durchhalten von Glaube, Gefolgschaft oder dergleichen. Es würde wieder auf Knechtschaft hinauslaufen, von der wir aber ab dem heilsbringenden Glauben befreit worden sind (Gal3,25; 4,21; 5,1; Rö6,20).
Wenn ich von diesem Glauben wieder abfallen sollte – diese Möglichkeit räume ich ein, verlöre ich trivialerweise meine Heilsgewissheit, weil ich einfach nicht mehr an die Gnade Gottes und an das Sühneopfer Christi glaube, weil ich in der Glaubenskette von (1) bis (11) irgendwo wieder hängen bleibe. Dieser Glaubensverlust löst aber selbstverschuldete Illusion aus (Angst vor dem Tod, vor Heilsverlust …), die mir mein Leben kaputt machen kann. Es handelt sich dann um meine Treulosigkeit, die aber nicht Gottes Treue beeinflusst (2Tim2,13). Ich werde mich nach meinem Tod doppelt wundern müssen, einerseits meiner unerwarteten Anwesenheit im Himmel und andererseits meines zornigen Vaters wegen. Ein böses Erwachen, wenn auch nicht so schlimm wie die Hölle! Also Durchhalten im Glauben hat schon seinen Sinn - für das Diesseits und das Jenseits -, hat aber nichts mit der Entscheidung auf Himmel oder Hölle zu tun.
Ich muss unterscheiden zwischen Gottes Treue zu mir, die unverbrüchlich ist (nochmals 2Tim2,13), und meiner Treue zu ihm, die nie so vollkommen sein kann wie Gottes Treue zu mir. Bei meiner Treue zu ihm bleiben mir alle möglichen Abstufungen zwischen gutem und bösem Kind Gottes, was aber meine Kindschaft zu Gott und somit mein Heil nicht berührt, wenn mir Gott ein für alle Mal vergeben hat. Darauf vertraue ich, sonst hätte ich den heilsbringenden Glauben von (1) bis (11) nie aufbringen können. Amen!