Abwertung des Mahl des Herrn

Bibelverständnis der Brüderbewegung in Theorie und Praxis

Abwertung des Mahl des Herrn

Beitragvon Sachsen am Fr 1. Aug 2014, 17:23

Ich habe die Erlaubnis bekommen einen Artikel von Matthias Mack, der für den Gemeindebrief bestimmt war, im Forum zu veröffentlichen:

"Die schleichende Abwertung des Abendmahls in den Brüdergemeinden

Es war das Herzstück der Brüderbewegung, die wöchentliche Feier des Mahls des HERRN. Jeden Sonntagvormittag meist gegen 09:00 Uhr wurde in den Brüderversammlungen das Mahl des HERRN gefeiert. In vielen, besonders freien Brüdergemeinden ist es heute noch so, aber viele Brüdergemeinden feiern es heute seltener oder gar im Gottesdienst integriert. Diese Tendenz scheint weiter anzuhalten und auch vor engeren Brüdergemeinden nicht halt zu machen. Auch wenn das Mahl des HERRN Sonntagvormittag stattfindet, kommen oft weniger als früher, gerade jüngere Geschwister.
Die Feier des Abendmahls markierte den Anfang der Brüderbewegung. In England trafen sich Christen aus verschiedenen Richtungen mit dem Wunsch gemeinsam das Abendmahl zu feiern, ohne das einer ausgeschlossen wurde (Jordy 1980:16). Sogar in den Räumlichkeiten nahm der Abendmahlstisch, durch die Plymouth-Brüder geprägt, eine zentrale Stelle an der Frontseite des Saales ein (:24).
In Deutschland trafen sich meist Christen, die in der Kirche unzufrieden waren zu Bibelkreisen und kamen erst mit der Zeit mit den Lehren der Brüderbewegung in Kontakt. Bis dahin stand der Austausch über die Worte der Heiligen Schrift im Zentrum. Natürlich entstanden durch die missionarische Arbeit reisender Brüder aus dem In- und Ausland, sowie durch das Zeugnis der einzelnen Versammlungen neue Gemeinden. Trotzdem war für viele in der deutschen Brüderbewegung das Mahl des HERRN der zweite Schritt.
Erkundigt man sich heute in einer Brüdergemeinde nach dem Anfangsjahr der Gemeinde, so wird meist das Jahr genannt, in welchem das Mahl des HERRN zuerst gefeiert wurde. Davor gab es zwar meist einen kleinen Kreis von Christen am Ort, aber keine Brüdergemeinde im eigentlichen Selbstverständnis. So gab es in einer Gegend häufig etliche Stubenversammlungen, aber meist an einem Ort eine Versammlung. Dort gingen die Geschwister aus den Stubenversammlungen am Sonntagvormittag oder aller 14 Tage hin um mit allen anderen das Mahl des HERRN zu feiern. Am Nachmittag oder an den anderen Sonntagen traf man sich dann in der örtlichen Stubenversammlung. Somit wurde der Mahlfeier eine ganz besondere Stellung eingeräumt.

Der theologische Schwerpunkt der Brüderbewegung lag im Leiden und Sterben Jesu. Worte wie Sünde und Bekehrung fehlten in fast keiner Predigt. Diese Ausrichtung unterstützte die Fokussierung auf die Mahlfeier. Diese "Erste Stunde" der Mahlfeier entwickelte sich zur zentralen Zusammenkunft der wahrhaft Gläubigen. Das heilige Verständnis des Abendmahls in der Brüderbewegung verlangte mehr und mehr nach engeren Regeln der Zulassung zur Mahlfeier. Somit wurde die Hürden für die Beteiligung am Mahl des HERRN weiter verschärft, damit möglichst nur wahrhaft Gläubige daran teilnehmen. Das geschah aber nicht in erster Linie aus einer verengten Sicht, sondern aus dem Verständnis der besonderen Heiligkeit und Würde dieser Zusammenkunft.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine feste Liturgie des Abendmahls. Diese bestand meist aus der Anordnung von Lied, Gebet und Textlesung. Diese Reihenfolge war oft so verbindlich, dass eine kleine Abweichung nicht oder nur ungern geduldet wurde. So gab es in den Gemeinden Lieder, die zum Mahl des HERRN gesungen und andere die als ungeeignet betrachtet wurden. Ähnliches traf auch auf Bibeltexte und sogar Gebetsinhalte zu.
Besonders älteren Geschwistern, der jeweiligen Generation, war es wichtig diese Ordnung nicht zu verändern. Der Ablauf der Mahlfeier und etwa das akapella Singen von Liedern wurde als besonders würdig und heilig betrachtet. So blieb die "Erste Stunde" über viele Jahrzehnte nahezu unverändert.

Im Anschluss an die Mahlfeier fand die "Zweite Stunde" statt. In dieser Stunde stand die Wortbetrachtung im Mittelpunkt. Falls kein Reisebruder zu Gast in der Gemeinde war, wurde durch die Leitung des Heiligen Geistes von den Brüdern verschiedene Wortbetrachtungen weiter gegeben. Mehr und mehr kristallisierten sich in den Gemeinden einzelne, oft nur eine Handvoll, Brüder heraus, die sich an der "Zweiten Stunde" beteiligten. Dies führte je nach der Persönlichkeit des Bruders zu längeren oder kürzeren, aber auch zu spannend oder langatmig vorgetragenen Beiträgen. Meist gab es Vers für Vers Auslegungen, bis hin zu Wort für Wort Auslegungen.
Die Jugendlichen der Generationen forderten immer wieder Veränderungen. Mit der Zeit wurde in vielen Brüdergemeinden Predigtpläne eingeführt, bis hin zur Gestaltung eines Rahmenprogramms. Ein regionaler Predigeraustausch fand bereits sehr zeitig statt.
Es kam aber in den meisten Brüdergemeinden allein zu Veränderungen der "Zweiten Stunde". Es wurden Chorlieder gesungen, das Liedgut der Jugend zögerlich aufgenommen, die Lieder mit Instrumenten begleitet, Anspiele von Kindern und Jugendlichen integriert, Zeugnisse und Berichte gegeben - bis hin zu Jugend- und Kindergottesdiensten. Die "Zweite Stunde" wurde mehr und mehr verändert und die ganze Energie der jungen Leute floss dort hinein. Es wurde oft eine Stunde, wie sie sie sich wünschten, natürlich oft nach vielen Diskussionen.

So wurde über Jahrzehnte die "Zweite Stunde" immer wieder erneuert und lebendiger gestaltet. Die "Erste Stunde" wurde jedoch nur in den seltensten Fällen angerührt. Die älteren Geschwister betonten wie wichtig es ist am Abendmahl teilzunehmen und als sie merkten, dass immer mehr wegblieben und erst zur "Zweiten Stunde" kamen, betonten sie es noch mehr oder trauerten der alten Zeit nach. Es wurde gesagt, dass Abendmahl ist wichtig, aber es wurde gelebt die "Zweite Stunde" ist wichtiger.

Heute erlebt man in vielen Brüdergemeinden eine geringe Beteiligung beim Mahl des HERRN und wenn die "Zweite Stunde" losgeht füllen sich oft die Räume, zum super organisierten und ansprechenden Predigtgottesdienst.

Es wird Zeit - wenn wir es wollen - dass wir dem Mahl des HERRN neu dem Platz im Zentrum des Gemeindelebens geben. Es wird kaum möglich sein, dass dies ohne Veränderung geschieht. Veränderung in unserem Herzen, aber auch Veränderung in der Form.
Eine Möglichkeit ist es vielleicht einen Sonntag ganz auf einen Predigtgottesdienst zu verzichten, und einen Abendmahlsgottesdienst zu feiern. Es wäre ein erster Schritt zurück zu den Wurzeln - aber warum nicht?

Matthias Mack"
Sachsen
 
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Re: Abwertung des Mahl des Herrn

Beitragvon Plepaulett am Do 7. Aug 2014, 16:07

lieber Matthias Mack -

Ich denke, daß die alten oder älteren Geschwister ein stärkeres Verständnis für das Gedächtnismahl unseres Herrn Jesus, es ist das Mahl des HERRN.
ER selbst haes den Jüngern und somit auch uns gesagt: Tut dieses...., sagt uns dies nicht, das dieses Zusammenkommen an SEINEM Tisch zu SEINEM Gedächtnis
Vorrang haben sollte vor allen anderen Zusammkünften. Auch wenn wir Belehrung haben sollten in den Nachmittagstunden oder in der 2. Stunde wie manches es
halten. Das kann man schon "eine Verachtung unseres Herrn Jesus" nennen, mit Sicherheit hat unser Herr Jesus keine Freude daran.
Lukas 22:19
Und er nahm Brot, dankte, brach und gab es ihnen und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch gegeben wird; dieses tut zu meinem Gedächtnis!
1 Korinther 11:24
und als er gedankt hatte, es brach und sprach: Dies ist mein Leib, der für euch ist; dies tut zu meinem Gedächtnis.
1 Korinther 11:25
Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahle und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blute; dies tut, so oft ihr trinket, zu meinem Gedächtnis.
liebe Grüße - Paule
Plepaulett
 
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