Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Bibelverständnis der Brüderbewegung in Theorie und Praxis

Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Beitragvon schneid9 am Di 15. Okt 2013, 19:51

Wie in diesem Forum bereits mehrmals erwähnt, ist das umstrittene Kinderlied "Pass auf, kleines Auge, was du siehst" in der Brüderbewegung durchaus bekannt, stammt aber nicht von dort. In der Sonntagsschule der AV wurde zu meiner Zeit ausschließlich aus dem offiziellen Liederbuch "Christliche Lieder" gesungen, in dem das Lied nicht enthalten ist; ich habe mich daher gefragt, wo ich es eigentlich kennengelernt habe. Mein Verdacht, es könnten die legendären Kinderstunden mit dem Evangelisten Hanns Winterhoff gewesen sein, wurde letztes Wochenende bestätigt, als mir beim Aufräumen in meinem Elternhaus die alten Winterhoff'schen Liederhefte in die Hände fielen: Sowohl in dem früheren "Wir singen" als auch in dem späteren "Sing mit!" ist das Lied enthalten.

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"Wir singen" umfasst 18 Lieder, davon 12 mit Noten. Die Lieder mit Noten sind (ohne Quellenangabe) aus anderen Büchern faksimiliert; "Paß auf" erscheint als Nr. 15:

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"Sing mit!" enthält 83 Lieder, durchweg ohne Noten. Im Inhaltsverzeichnis wird auf sechs Liederbücher verwiesen, in denen Melodien zu den Liedern zu finden seien; zu "Paß auf, kleines Auge" (Lied Nr. 12) heißt es:

    Sf 20, Ws I 57
"Sf" steht laut Abkürzungsverzeichnis für "Singet froh ihr Kinder alle", "Ws" für "Wir singen Bd. I u. Bd. II". Der erste Titel ist leicht zu ermitteln:

    Singet froh, ihr Kinder alle. Liederbuch für Familie und Gemeinde. Berlin/DDR (Evangelische Versandbuchhandlung Otto Ekelmann) 1968. — Westdeutscher Nachdruck: Singet froh ihr Kinder alle. Liederbuch für Sonntagsschule und Familie. Wuppertal (R. Brockhaus) 1969.
Beide Verlage, die DDR-Versandbuchhandlung Ekelmann und der R. Brockhaus Verlag, standen dem Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden nahe.

Etwas schwieriger zu identifizieren ist das Liederbuch mit dem Allerweltstitel "Wir singen". Das einzige in Frage kommende zweibändige Werk, das ich im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek finden konnte, ist folgendes:

    Wir singen. Sing- und Musizierbuch für Volksschulen. Hrsg. von Hanns Berekoven in Gemeinschaft mit Theo Rüttgers und Eberhard Werdin. 2 Bände. Düsseldorf (Schwann) ²1956.
Obwohl es sich hier offenbar nicht um ein spezifisch christliches Liederbuch handelt, erscheint es dennoch möglich, dass das Lied "Paß auf" darin enthalten war, bedenkt man dessen weite Verbreitung in Schulen und Kindergärten. (Falls jemand Zugang zu diesem Liederbuch hat, wäre ich für eine Überprüfung dankbar.)

Aus einem dieser beiden Liederbücher – vermutlich aus "Singet froh[,] ihr Kinder alle" – dürften die Noten in Hanns Winterhoffs älterem Liederheft stammen. Interessant ist nun der Hinweis oben links, dort wo bei anderen Liedern der Textdichter steht:

1. Mose 16,13
Du, Gott, siehest mich

Das Lied soll also, wenn nicht gerade eine Vertonung von 1Mo 16,13, so doch zumindest durch diesen Vers angeregt sein. Das ist aus zwei Gründen aufschlussreich:

(1) Der Wortlaut "Du, Gott, siehest mich" entstammt der Lutherbibel; in der (damaligen) Elberfelder Bibel heißt es demgegenüber: "Du bist ein Gott, der sich schauen läßt!" [Fußnote: O. der mich sieht; W. des Schauens]. Wenn das Lied aus der Brüderbewegung stammen würde, hätte man als Aufhänger wohl kaum einen Vers aus der Lutherbibel gewählt.

(2) Die Aussage "Du, Gott, siehest mich" (oder "Du bist ein Gott, der mich sieht") ist in 1Mo 16,13 keineswegs angsteinflößend, sondern im Gegenteil tröstlich gemeint: Hagar sagt dies, nachdem der Engel des HERRN sie auf ihrer Flucht vor Sarai gefunden und ihr großen Segen verheißen hat. Wenn der Liederdichter oder Herausgeber diese Stelle im Kopf hatte, spricht das eindeutig gegen die Hypothese, das Lied verfolge die Absicht, Kindern Angst zu machen.

Weitere Internetrecherchen ergaben, dass das Lied offenbar gar kein deutschsprachiges Original ist, sondern aus dem Englischen übersetzt wurde. Die englische Version nun hat überhaupt nichts Furchterregendes mehr:

O be careful little eyes what you see
O be careful little eyes what you see
There's a Father up above
And He's looking down in love
So, be careful little eyes what you see

"Be careful" klingt viel freundlicher als "Paß auf", und die "Liebe" des Vaters fehlt in der gängigen deutschen Version völlig. Das muss indessen keine böse Absicht der Übersetzer sein, sondern dürfte eher daran liegen, dass eine genaue Übersetzung sich nicht im Metrum unterbringen ließ. Immerhin gibt es aber auch noch eine zweite deutsche Variante, die neulich von FeG-Aussteiger Frithjof Rompf in der "Süddeutschen Zeitung" zitiert wurde und die Liebe des Vaters doch noch in den Text einbaut:

Pass auf, kleines Auge, was du siehst!
Pass auf, kleines Auge, was du siehst!
Denn der Vater im Himmel schaut immer auf dich,
denn der Vater im Himmel hat dich lieb.

Mir ist zwar nicht klar, wie die dritte Zeile auf die bekannte Melodie passen soll, aber der Text ist so auch auf zahlreichen Internetseiten zu finden. Dass selbst diese Version noch als angsteinflößend bezeichnet wird, scheint mir noch weniger nachvollziehbar zu sein.

Wenn ich an die Kinderstunden mit Hanns Winterhoff Ende der 1970er Jahre zurückdenke, kann ich jedenfalls die Behauptung, mit dem Lied "Pass auf, kleines Auge" würde Kindern Angst gemacht, in keiner Weise bestätigen. Hanns Winterhoff war ein Mann, der ausgezeichnet mit Kindern umgehen konnte: freundlich und witzig, spannend und anschaulich – für mich gehörten die alljährlichen Kinderstunden im Bad Endbacher Kurhaus immer zu den Höhepunkten des Jahres!

Der aus den Winterhoff'schen Liederheften bekannte Wortlaut findet sich übrigens auch in folgendem etwa zur selben Zeit erschienenen, dem landeskirchlichen Pietismus zuzuordnenden Buch:

    "Mit frohem Klang stimmt ein zu Gottes Ehre". Kinderliederbuch für Sonntagsschule + Familie — für Kinderchor + Freizeiten. Im Auftrag der Sonntagsschulen im Evangelischen Gemeinschaftsverband Siegerland und Nachbargebiete hrsg. vom Liederbuch-Arbeitskreis im Verlag A. Michel & Comp. Schriftenmissionsverlag GmbH. Siegen 1977.
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Re: Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Beitragvon kleiner am Di 15. Okt 2013, 21:03

Ich konnte vor einigen Tagen eine Kindergruppe zu diesem Lied befragen. Auf die Frage "macht euch das Lied denn keine Angst" bekam ich nur ein fröhliches "Nein"zu hören. Die Mutter sagte, die Kinder würden das Lied sogar recht gern singen, weil man dabei die entsprechenden Bewegungen macht. Für mich ist jeder der behauptet, das Lied würde Kindern Angst einjagen, ernsthaft krank bzw. nachhaltig gestört.
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Re: Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Beitragvon asderrix am Mi 16. Okt 2013, 22:13

kleiner hat geschrieben:Ich konnte vor einigen Tagen eine Kindergruppe zu diesem Lied befragen. Auf die Frage "macht euch das Lied denn keine Angst" bekam ich nur ein fröhliches "Nein"zu hören. Die Mutter sagte, die Kinder würden das Lied sogar recht gern singen, weil man dabei die entsprechenden Bewegungen macht.

Das kann ich aus meinen Erfahrungen nur bestätigen.

Für mich ist jeder der behauptet, das Lied würde Kindern Angst einjagen, ernsthaft krank bzw. nachhaltig gestört.

So scharf würde ich es nicht ausdrücken, ich denke nicht das Lied ist der Grund für eine schwierige Lebenssituation, sondern die schwierige Lebenssituation ist der Grund dafür, dass man das Lied so negativ sieht.

Wobei es auch liebe leichtgläubige Christen gibt, die in irgend einem Vortrag mal gehört haben, dass es psychologisch erwiesen ist, dass dieses Lied gefährlich für die Kinder ist und die das jetzt eifrig nachplappern.
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Re: Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Beitragvon schneid9 am Do 17. Okt 2013, 01:06

kleiner hat geschrieben:Ich konnte vor einigen Tagen eine Kindergruppe zu diesem Lied befragen. Auf die Frage "macht euch das Lied denn keine Angst" bekam ich nur ein fröhliches "Nein"zu hören. Die Mutter sagte, die Kinder würden das Lied sogar recht gern singen, weil man dabei die entsprechenden Bewegungen macht.

Das wird auch durch Diskussionen in Internetforen bestätigt, z.B. diese hier. Eigentlich sind es immer nur Eltern, die mit dem Lied Probleme haben, nicht die Kinder selbst. Eine Mutter schreibt z.B.:

Klar interpretiere ich zumindest mehr rein als mein Kind. Moritz findet das Lied ganz toll und hat Spaß dran es zu singen.

Eine andere erinnert sich:

Ich bin nicht getauft, glaube nicht an Gott und war nie in einer kirchlichen Einrichtung. Aber ich kenne das Lied aus dem Religionsunterricht in der Grundschule und ich fands immer schön. Über den Text habe ich noch nie nachgedacht. Wenn ich jetzt mal überlege, dann hatte ich das mit dem Vater im Himmel immer eher beschützend im Kopf. Und ich habs meiner Kleinen auch schon vorgesungen zum Einschlafen (nach über 200 Liedern musste ich schliesslich auch mal wieder etwas neues aus meinem Repertoire schöpfen) :) Da war sie noch sehr klein und sie fand das mit den Körperteilen in Verbindung mit ihrer Funktion spannend.

Und wieder eine andere:

Also ich kenn das Lied schon von klein auf und ich finde das Lied sehr schön. Auf den Text an sich hab ich nie kritisch geachtet und werd ich auch nicht tun. Ich mochte das Lied, weil mir die Melodie dazu sehr gut gefallen hatte und es leicht zu merken war. Ich seh das nicht enger als sonst und wenn ich da keinen Tamtam drum mache und meine Kinder nicht in diese richtung erziehe, kann mir der Text auch weiterhin egal sein. Wenn meine Kinder dieses Lied täglich singen (würden) ich aber meine Erziehung nicht dazu anpasse und ich dazu auch kein Fass auf mache, werden die Kinder sicher keinen Schaden dran nehmen.

Auf der ERF-Website erinnert sich ein Pastor:

Vor über 40 Jahren haben wir das Lied im Kindergottesdienst häufig gesungen. Den Mitarbeitern schien es zu gefallen. Und uns Kindern machte es Spaß, denn es gab auch noch Bewegungen zu den einzelnen Strophen, die wir alle mitmachen konnten.

In einem anderen Forum habe ich folgende Stellungnahme gefunden:

Ich kenne es auch. Meine Eltern haben dann immer einen Spruch gesagt, der mir immer sehr viel Angst machte. Ein Auge ist was alles sieht, auch was in finsterer Nacht geschieht. Noch heute verbinde ich dieses Lied mit dieser Drohung meiner Eltern.

Das bestätigt meine Theorie, dass nicht das Lied selbst Kindern Angst macht, sondern höchstens bestimmte interpretierende Begleitäußerungen.

kleiner hat geschrieben:Für mich ist jeder der behauptet, das Lied würde Kindern Angst einjagen, ernsthaft krank bzw. nachhaltig gestört.

Das ist ziemlich krass ausgedrückt, aber wahrscheinlich nicht von der Hand zu weisen. Man lese z.B. mal diesen Kommentar.

asderrix hat geschrieben:ich denke nicht das Lied ist der Grund für eine schwierige Lebenssituation, sondern die schwierige Lebenssituation ist der Grund dafür, dass man das Lied so negativ sieht.

So sehe ich das auch.

asderrix hat geschrieben:Wobei es auch liebe leichtgläubige Christen gibt, die in irgend einem Vortrag mal gehört haben, dass es psychologisch erwiesen ist, dass dieses Lied gefährlich für die Kinder ist und die das jetzt eifrig nachplappern.

Eine sehr treffende Beobachtung! Interessant ist auch, dass man sich dabei immer wieder auf das Buch Gottesvergiftung (1976) von Tilmann Moser beruft (auch "ExAVler" tat das 2011 hier im Forum). Dieses Buch ist aber nicht nur eine Abrechnung mit enger, "fundamentalistischer" Frömmigkeit, sondern mit Gott und dem christlichen Glauben überhaupt! So weit würden die evangelikalen Kritiker von "Pass auf, kleines Auge" natürlich nicht gehen, aber im Grunde ist das nur konsequent. Wer das Lied "Pass auf" ablehnt, weil es Kindern angeblich Angst macht, muss Kinder auch von der Bibel fernhalten, denn darin gibt es noch wesentlich angstmachendere Aussagen (z.B. Hebr 10,31).

Ein letzter Punkt am Rande: Gestern las ich zufällig einen Artikel der Schweizer Schriftstellerin Zoë Jenny, in dem sie von ihrer Kindheit im linksalternativen Milieu der 1980er Jahre berichtet. Solche Kreise hätten ein Lied wie "Pass auf, kleines Auge" zweifellos mit größtem Abscheu zurückgewiesen, aber sie selbst flößten Kindern grundlose Ängste ganz anderer Art ein:

Zoë Jenny hat geschrieben:So begann ein Spaziergang im Wald zum Beispiel mit dem Hinweis, dass wir gut hinhören sollten, denn vielleicht werde schon bald kein einziger Vogel mehr zwitschern. Monatelang stand das Thema Waldsterben auf der Tagesordnung. Mit neun Jahren war ich überzeugt, dass es irgendwann, wenn ich groß bin, auf dieser Welt keine Bäume mehr geben wird. Warum konnte man uns nicht auf die Schönheiten der Natur hinweisen und uns auf diese Weise Respekt vor der Umwelt beibringen? Stattdessen wurde uns auf penetrant indoktrinierende Weise eine links-grüne Ideologie eingehämmert, nach dem Motto: Die Welt ist ein ziemlich beschissener Ort, und wenn wir nicht alles in unserer Macht Stehende tun, wird es noch beschissener.

So ähnlich habe ich es in den 1980er Jahren auch erlebt. Gudrun Pausewangs grausiges Atomkriegsszenario Die letzten Kinder von Schewenborn, das ich als Schüler eines als "rot" bekannten Gymnasiums Mitte der 1980er Jahre lesen musste, hat mir jedenfalls mehr Angst gemacht, als das muntere Kinderlied "Pass auf, kleines Auge" es je hätte tun können.
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Re: Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Beitragvon Christoph am Do 17. Okt 2013, 12:16

Abgesehen davon, dass Ihr alle mit Eurer Einschätzung komplett falschliegt, weil Ihr das Ganze nur aus Eurer subjektiven Sicht beurteilt und keiner von Euch auf meine frühere Frage ("wozu soll das Lied sonst so formuliert sein, wenn nicht, um Kindern Angst vor einem strafenden Gott zu machen?") eingeht, finde ich es arg befremdlich, dass weder Michael noch Asderrix sich bemüßigt sehen, Herrn Kleiner für seinen erneuten menschenverachtenden Kommentar in die Schranken zu weisen. Stattdessen gebt Ihr ihm faktisch recht und seht nur zu, die politische Korrektheit zu wahren ("ganz so kraß würde ich es nicht ausdrücken").

Und was soll es beweisen, einen Haufen Kinder als Zeuge für Eure Ansicht heranzuziehen? Glaubt hier wirklich einer ernsthaft, man würde nicht MEHR Kinder oder ehemalige Kinder finden, die unter anderem durch dieses Lied DOCH traumatisiert worden sind?

Abgesehen davon, dass in Eurer Zeugenauflistung die Zeugin "eine andere" symptomatisch für den Umgang mit dem Thema ist. Vogel Strauß in Reinkuktur.

Und Kleiner: Man darf ja Menschen nicht das Christsein absprechen, aber wie jemand sich selbst als Christ bezeichnen und gleichzeitig andere einfach mal so als "krank" und "nachhaltig gestört" abqualifizieren kann, ist mir völlig schleierhaft. [Beleidigende Aussage administrativ entfernt]
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Re: Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Beitragvon asderrix am Do 17. Okt 2013, 15:49

Toffil hat geschrieben:Abgesehen davon, dass Ihr alle mit Eurer Einschätzung komplett falschliegt, weil Ihr das Ganze nur aus Eurer subjektiven Sicht beurteilt

Grins das ist aber jetzt sehr überzeugent objektiv!

und keiner von Euch auf meine frühere Frage ("wozu soll das Lied sonst so formuliert sein, wenn nicht, um Kindern Angst vor einem strafenden Gott zu machen?")

Wo steht in dem Lied etwas von einem strafenden Gott, was nicht hineingelegt wird?
Kann es mit dem Vaterbild/Gottesbild zusammenhängen, das die Kritiker heben?

finde ich es arg befremdlich, dass weder Michael noch Asderrix sich bemüßigt sehen, Herrn Kleiner für seinen erneuten menschenverachtenden Kommentar in die Schranken zu weisen.

Dazu haben wir ja dich, darauf vertraute ich einfach, das du in deiner sensiblen einfühlsamen Art Kleiner zurechtbringst. ;)

Stattdessen gebt Ihr ihm faktisch recht und seht nur zu, die politische Korrektheit zu wahren ("ganz so kraß würde ich es nicht ausdrücken").

Ich hatte Herrn Potthoff bereits in einer PN geschrieben und schreibe es hier auch gern noch einmal in der Öffentlichkeit, eine psychische Krankheit ist für mich nicht schlimmer oder peinlicher als ein Beinbruch.
Wenn jemand behauptet, dass dieses Lied ihn negativ beeinflusst/geprägt hat, bedeutet das, dass ein psychischer Schaden entstanden ist, richtig?
Kleiner hat also sehr krass ausgedrückt was richtig ist, besser wäre es aber gewesen, das sensibel und in Liebe zu schreiben, so dass es dem Leser helfen kann.

Glaubt hier wirklich einer ernsthaft, man würde nicht MEHR Kinder oder ehemalige Kinder finden, die unter anderem durch dieses Lied DOCH traumatisiert worden sind?

Nein das glaube ich nicht das weiß ich.

Abgesehen davon, dass in Eurer Zeugenauflistung die Zeugin "eine andere" symptomatisch für den Umgang mit dem Thema ist. Vogel Strauß in Reinkuktur.

Wie meinen? :?:

[Beleidigende Aussage administrativ entfernt]

In der Diskussionskultur seit ihr zwei aber nicht sehr weit auseinander, finde ich.
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Re: Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Beitragvon schneid9 am Do 17. Okt 2013, 16:45

Toffil hat geschrieben:Abgesehen davon, dass Ihr alle mit Eurer Einschätzung komplett falschliegt, weil Ihr das Ganze nur aus Eurer subjektiven Sicht beurteilt

Keineswegs — wir haben doch eine ganze Reihe von Zeugen zitiert, die das genauso sehen. Wieso sollte deine Sicht oder die von Tilmann Moser objektiver sein?

Toffil hat geschrieben:und keiner von Euch auf meine frühere Frage ("wozu soll das Lied sonst so formuliert sein, wenn nicht, um Kindern Angst vor einem strafenden Gott zu machen?") eingeht

Über seine Absichten könnte wohl am besten der Autor selbst Auskunft geben, aber der scheint ja nicht mehr zu ermitteln zu sein. Wie bereits oben erwähnt, gehe ich davon aus, dass hier einfach nur ein englischer Text ungeschickt ins Deutsche übersetzt wurde. Mit dem englischen Original scheinen Muttersprachler überhaupt kein Problem zu haben — jedenfalls konnte ich bei einer ersten Internetrecherche keine vergleichbare Kritik finden, sondern im Gegenteil viel Positives. Mehrmals wurde das Lied mit Ps 101,3 in Verbindung gebracht ("Ich will keine heillosen Dinge ins Auge fassen; Übertretungen zu begehen, hasse ich"), einmal auch mit Eph 5,15, woran ich ebenfalls gedacht hatte ("Seht nun zu, wie ihr sorgfältig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise"). Die NIV liest an dieser Stelle: "Be very careful, then, how you live" — das kommt der englischen Fassung des Liedes doch schon recht nahe. Von einem strafenden Gott ist hier jedenfalls keine Rede, ebensowenig in 1Mo 16,13, was der Herausgeber des oben zitierten Liederbuchs offenbar im Kopf hatte.

Aber wo wir gerade bei unbeantworteten Fragen sind: Auf mein Argument, dass es in der Bibel Verse gibt, die noch wesentlich angstmachender sind als das Lied "Pass auf", bist du auch noch nicht eingegangen. Wäre es nicht konsequent, auf eine "religiöse Indoktrinierung" von Kindern ganz zu verzichten?

Toffil hat geschrieben:finde ich es arg befremdlich, dass weder Michael noch Asderrix sich bemüßigt sehen, Herrn Kleiner für seinen erneuten menschenverachtenden Kommentar in die Schranken zu weisen. Stattdessen gebt Ihr ihm faktisch recht und seht nur zu, die politische Korrektheit zu wahren ("ganz so kraß würde ich es nicht ausdrücken").

Siehe "asderrix"s Kommentar.

Toffil hat geschrieben:Und was soll es beweisen, einen Haufen Kinder als Zeuge für Eure Ansicht heranzuziehen? Glaubt hier wirklich einer ernsthaft, man würde nicht MEHR Kinder oder ehemalige Kinder finden, die unter anderem durch dieses Lied DOCH traumatisiert worden sind?

Selbstverständlich glaube ich das — solange mir keine Statistik das Gegenteil beweist.
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Re: Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Beitragvon kleiner am Do 17. Okt 2013, 17:10

Toffil hat geschrieben:[Beleidigende Aussage administrativ entfernt]

So reagieren typischerweise Leute die sich getroffen fühlen. Mein Mitgefühl hast Du dazu.
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Re: Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Beitragvon Christoph am Do 17. Okt 2013, 21:51

Asderrix

Es scheint, dass Du ziemlich große Probleme hast, meine Aussagen sachlich zu verstehen. Dass ich Eure Ansichten als subjektiv gekennzeichnet habe, bedeutet nicht automatisch, dass ich meine eigene Einschätzung für objektiv hielte. Was man unter anderem daran hätte erkennen können, dass ich, jetzt wiederhole ich mich schon wieder, auf die meines Erachtens entscheidende Frage hinwies, nämlich WOZU dieses Lied so getextet wurde, wie es ist. Und nichts als Herumwinden um die klare Antwort ernte, nebenbei gesagt.

Darüber hinaus versuchst Du noch mit dem sinnlosen Einwand, dass da nichts vom "strafenden" Gott steht, von der Beantwortung der Frage abzulenken.

Wie wäre es also, wenn Du mir kraft Deines immensen psychologischen Wissens, was Du Dir offenbar selbst zubilligst, einfach mal erklärst, was es bedeutet, dass ein Kind aufpassen soll, was es sieht und tut, weil Gott zusieht? Und zwar völlig unabhängig von dem jeweiligen Gottesbild, denn das hat damit genau nix zu tun.

Ich weiß nicht, ob Du Kinder hast. Ich kann Dir jedenfalls sagen, dass es ein weitverbreitetes Mittel vieler (anderer) Eltern ist, so zu agieren, indem man für "Pass auf" irgendetwas Konkretes und für Gott halt den jeweiligen anderen Elternteil einsetzt. Das Ziel dabei ist, das Kind dahingehend zu beeinflussen, dass es aus Angst vor der Bestrafung dieses Bestimmte nicht tut.

Ich habe genau das gerade mal hypothetisch mit meiner Tochter durchexerziert und exakt die erwartete Antwort erhalten.

Auch das ist wiederum völlig logisch und simpel, und ich verstehe nicht, dass man über so etwas diskutieren muss.

Es ist schön, dass Du psychische Krankheiten nicht anders bewertest als einen Beinbruch. Das sehe ich auch so, allerdings bin ich der Meinung, dass psychische Krankheiten erstens längere Inkubationszeiten haben als Beinbrüche und zweitens Gründe haben, denen man auf den Grund gehen muss, damit dies wenigstens nachfolgenden Informationen erspart bleibt.

Kleiner sieht das allerdings, das ist offensichtlich, ganz anders und will bewusst und vorsätzlich verletzen.

Insofern müsste mich Deine Unterstellung, eine ähnliche Diskussionskultur wie dieser zu pflegen, auch verletzen. Tut sie zum Glück nicht, denn irgendwann habe ich mal begriffen, dass man es nie allen rechtmachen kann, vor allem nicht denen, die sich nicht vom Schubladendenken lösen können. Aber nett wäre es trotzdem, wenn Du mal ein Gefühl beispielsweise für Aktion und RE-Aktion entwickeln könntest. Andere schaffen das doch auch.

Wie kannst Du behaupten, Du WÜSSTEST, dass man nicht viele traumatisierte Kinder finden könne? Du bist doch laut eigener Aussage gar nicht in der Alten Versammlung aufgewachsen. Wie, glaubst Du, willst Du denn beurteilen, wie es dort war? Anhand Deiner paar Bekannten von dort, die einen nicht traumatisierten Eindruck machen? Und die selbst das vielleicht nur spielen?

Zum Vogel Strauß hat "eine andere" gesagt, wie sie mit dem Text umgeht. Ihre Aussagen, die Ihr zum Unternauern Eurer Meinung benutzt, belegen das genaue Gegenteil!
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Re: Pass auf, kleines Auge, was du siehst

Beitragvon Christoph am Do 17. Okt 2013, 21:58

Michael

Zum Thema Objektivität habe ich ja schon Stellung genommen.

Das mit der Übersetzung ist nett zu wissen, aber irrelevant. Das Lied gibt es in deutsch, und damit müssen wir umgehen. Und eine mögliche Erklärung für die Absichten des Autors habe ich gegeben. Und die halte ich (subjektiv ...) für die EINZIG mögliche. Da wäre es hilfreicher, über andere Deutungen nachzudenken, anstatt zu sagen, den Verfasser können wir leider (oder glücklicherweise) nicht mehr fragen.

Das Thema "noch schlimmere Bibelstellen" war, soweit ich mich erinnere, nicht als Frage an mich gerichtet, sonst hätte ich es selbstverständlich beantwortet. Ja, ich bin der Meinung, dass Kinder nur mit größter Vorsicht religiös erzogen werden sollten.

Meine Kinder werden ausdrücklich NICHT zu einer Angstbekehrung gedrängt, meine Kinder kriegen klar gesagt, dass wir "nur" glauben, den richtigeren Glauben zu haben als ihre islamischen Klassenkameraden, und meine Kinder werden mit Vorsicht darüber aufgeklärt, welchem Ereignis wir Sonntags morgens gedenken.

Beispielsweise ist bekannt, dass vor allem ziemlich intelligente Kinder sich viele Gedanken über den Tod machen und daran leiden. Da sollte man schon aufpassen.

Wie sollte man eine Statistik über traumatisierte Kinder erstellen, solange Lügendetektoren so unzuverlässig sind? Wie viele Leute aus der AV, Aktuelle oder Ehemalige, laufen durch die Gegend und TUN so, als sei alles in bester Ordnung? Ist es wirklich so schwer, den Leuten ihre hauptsächlich angstbetonte Prägung anzusehen oder ihren Worten zu entnehmen? Ich finde nicht.
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