Jakobus im Widerspruch zu Paulus?

Bibelverständnis der Brüderbewegung in Theorie und Praxis

Jakobus im Widerspruch zu Paulus?

Beitragvon toffil am Di 25. Mai 2010, 10:22

Nach langer Stille würde ich gerne ein Thema zur Diskussion stellen, welches mir nicht ganz einfach erscheint, nämlich den Jakobusbrief und hier speziell den 24. Vers des zweiten Kapitels:

"Da seht ihr, daß der Mensch durch Werke gerechtfertigt wird und nicht durch den Glauben allein." (Schlachter 1951)

Ich habe bisher keine zufriedenstellende Auslegung gefunden, welche mir den vermeintlichen Widerspruch beispielsweise zu Galater 2,16 ("... da wir aber erkannt haben, daß der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, so sind auch wir an Christus Jesus gläubig geworden, damit wir aus dem Glauben an Christus gerechtfertigt würden, und nicht aus Gesetzeswerken, weil aus Gesetzeswerken kein Fleisch gerechtfertigt wird.") erklären konnte; deshalb wäre ich für entsprechende Erläuterungen bzw. eine Diskussion darüber dankbar.
toffil
 

Re: Nach langer Stille ...

Beitragvon asderrix am Fr 28. Mai 2010, 03:59

Hallo toffil,

schön das du das Forum wieder belebst. ;)

Eine endgültige Antwort habe ich auch nicht.

Aber, was hältst du von dieser Aussage:
http://bibelportal.de/index.php?option= ... uslegungen
asderrix
 
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Re: Nach langer Stille ...

Beitragvon toffil am Fr 28. Mai 2010, 13:13

Hallo Asderrix,

folgende Gedanken zu dieser Auslegung:

Zunächst mal gefällt mir, was hier über (Schein-)Bekehrungen geschrieben wird. Das sehe ich genauso wie der Autor.

Zu den vermeintlichen Widersprüchen sind mir allerdings zwei Dinge negativ aufgefallen:

1. Die Schlußfolgerung, dass Jakobus unter Glaube etwas anderes versteht als Paulus, halte ich für vollkommen falsch! Rund um Vers 19 wird meiner Meinung nach unzweifelhaft deutlich, dass es hier um genau die selbe Definition von Glauben geht wie bei Paulus bzw. der ganzen Bibel.

2. Die Verse 17 und 18 weisen in keinster Weise auf eine Errettung durch Glauben hin. Ich kann dort keinen einzigen Hinweis auf Errettung erkennen.

Deshalb überzeugt mich diese Auslegung nicht!
toffil
 

Re: Nach langer Stille ...

Beitragvon athanasius am Sa 29. Mai 2010, 17:58

Hallo zusammen,
wie mir scheint, geht es hier um den uralten Konflikt, nämlich zwischen Katholiken und Protestanten. Die einen brauchen die Werke zur Seligkeit, die anderen lehnen sie ab und stützen sich allein auf die Aussage, sola Fide.
Jakobus schreibt unmissverständlich: „Der Glaube ohne Werke ist tot!“ Sprich: Den Glauben ohne Werke gibt es gar nicht. Andererseits sind Werke ohne Glauben ebenso nutzlos.
Heute werden oft Aussagen der Reformatoren als „wahres Evangelium“ benutzt und gewertet, obwohl diese in weiten Teilen ihrer Glaubensauffassung ebenfalls fehlbar waren. Nur ein Pendant zu den Katholiken zu konstruieren, ist eigentlich zu billig. Und das haben die Reformatoren oft mit einer solchen Vehemenz getan und sich dabei selbst vergaloppiert. Den Ablasshandel als Werk zur Seligkeit zu geiseln, war unbedingt richtig. Jedoch wurde seit Reformationszeiten der Werksgerechtigkeitsbegriff vielfach unqualifiziert bemüht. Die Heilige Schrift kennt die unbedingte Trennung zwischen Glauben und Werke gar nicht, sondern nur beide zusammen als Einheit.
Mir scheint, dass die Diskussionen um diese Themen bei vielen Christen nur eins zum Ziel haben, nämlich sich aus der Verantwortung zu stehlen und zu versuchen, so gut wie es geht die Werke zu umgehen. Die Werke lediglich in die „Lohnecke“ zu stellen, sprich, wer viele gute Werke tut bekommt auch viel Lohn, widerspricht den Jakobusaussagen. Nicht umsonst konnte Luther zeit seines Lebens nicht verstehen, wie der Jakobusbrief in den neutestamentlichen Kanon der Heiligen Schrift gekommen ist. Er hatte mit diesem Brief größte Probleme.
„Bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern“ (Phil 2,12). Dazu zählen auch besonders Werke der Barmherzigkeit.

Es wäre vielleicht nützlich, den Begriff "Werke" einmal zu definieren. Möglicherweise liegt hier ein Missverständnis vor.
athanasius
 

Re: Nach langer Stille ...

Beitragvon toffil am So 30. Mai 2010, 17:56

Hallo Athanasius,

es ist beruhigend zu lesen, dass auch ein Luther mit diesem Brief Probleme hatte! :)

Mir geht es nicht um eine Abgrenzung zum Katholizismus oder sowas, sondern ausschließlich um Richtig oder Falsch. Und neben der offenen Frage nach freiem Willen oder Vorherbestimmung ist ja auch diese Frage hier von großer Bedeutung, wie ich finde. Besonders wenn man berücksichtigt, dass gerade im Bereich der Brüdergemeinden und der meisten Freikirchen so etwas wie ein klassisches "Bekehrungsritual" gelehrt wird, obwohl in den Evangelien mehreren Menschen durch den Herrn Jesus die Sünden vergeben wurden, ohne dass sie ein solches Ritual absolviert hätten.

Ich habe auch keine Schwierigkeiten mit der Aussage von Jakobus, wonach ein Glaube ohne Werke tot ist. Das kann ich gut nachvollziehen, aber immerhin schreibt er ja "nur" vom Glauben, nicht aber vom Glaubenden. Das bedeutet, als Gläubiger könnte ich theoretisch durchaus durchs Leben gehen, ohne irgendein vernünftiges Glaubenswerk zustande zu bringen, wäre aber trotzdem gerettet. Theoretisch deshalb, weil ich auch davon ausgehe, dass ein echter Glaube auch zwangsläufig Werke hervorbringen wird.

Du hast völlig recht, die von Jakobus genannten Werke beziehen sich sicher nicht "nur" auf die verheißene Belohnung im Himmel, sondern sie dienen hier nach meinem Verständnis auch ganz eindeutig der Rechtfertigung, und Rechtfertigung meint hier nach meinem Dafürhalten die Erlangung des Seelenheils.

Werke definiere ich einfach als eine Tätigkeit, idealerweise eine positive und Gott verherrlichende. Und somit geht der Begriff Werke über mein eigentliches Bekehrungsverständnis hinaus, denn hier geht es doch lediglich darum, Gottes Gnadengeschenk anzunehmen, was nur eingefleischte Allversöhner als Werk bezeichnen würden.
toffil
 

Re: Nach langer Stille ...

Beitragvon Tobias am Mi 20. Okt 2010, 17:57

athanasius hat geschrieben:Jakobus schreibt unmissverständlich: „Der Glaube ohne Werke ist tot!“ Sprich: Den Glauben ohne Werke gibt es gar nicht.

Wieso "Sprich"? Ist tot sein dasselbe wie nicht existieren? Wenn ich sage: "Meine Katze ist tot", bedeutet das dann: "Meine Katze gibt es gar nicht"? Nein, was Jakobus sagen will, macht er im letzten Vers des Kapitels deutlich:

Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.

Hier würde man ja auch nicht sagen: "Einen Leib ohne Geist gibt es gar nicht." Es gibt ihn durchaus, aber er ist eben tot, d.h. leblos, regungslos, untätig, gibt kein Lebenszeichen (mehr) von sich. Gemeint ist also dasselbe, was Jakobus in V. 20 mit "nutzlos" beschreibt (in mehreren alten Handschriften heißt es auch hier: "tot"). Aber wer tot ist, hat einmal gelebt! Jakobus vergleicht den "toten Glauben" ja nicht mit einem unbelebten Objekt wie z.B. einem Stein, sondern mit einem "Leib ohne Geist", also einem Leichnam. Ein Leichnam war aber nicht immer tot! So ist es auch mit dem "toten Glauben": Er war irgendwann mal lebendig (wahrscheinlich in der ersten Zeit nach der Bekehrung), und man konnte das auch an seinen Früchten sehen, aber jetzt ist er tot, fruchtlos, untätig. Das soll aber nicht so sein, deshalb fordert Jakobus die Briefempfänger auf, den Glauben durch Werke "wiederzubeleben".

athanasius hat geschrieben:Die Heilige Schrift kennt die unbedingte Trennung zwischen Glauben und Werke gar nicht, sondern nur beide zusammen als Einheit.

Das sieht Paulus aber anders:

Röm 4,4.5: Dem aber, der Werke tut, wird der Lohn nicht angerechnet nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit. Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet.

Wenn das keine "unbedingte Trennung" ist, was ist es dann?

athanasius hat geschrieben:Mir scheint, dass die Diskussionen um diese Themen bei vielen Christen nur eins zum Ziel haben, nämlich sich aus der Verantwortung zu stehlen und zu versuchen, so gut wie es geht die Werke zu umgehen.

Das ist eine Unterstellung! Genauso könnte man umgekehrt sagen, dass Christen, die sehr viel Wert auf Werke legen, einfach zu stolz sind zu akzeptieren, dass sie selbst nicht das Geringste zu ihrem Heil beitragen können. In so gut wie allen anderen Religionen muss sich der Mensch ja bemühen, Gutes zu tun, ein ordentliches Leben zu führen usw., um die jeweilige Gottheit gnädig zu stimmen und am Ende dafür mit dem Himmel (oder mit was auch immer) belohnt zu werden. Das kommt dem natürlichen, religiösen Menschen durchaus entgegen, denn es schmeichelt seinem Ich, dass es eben doch zu etwas Gutem in der Lage ist. Das Christentum bricht radikal mit solchen Vorstellungen! Das Einzige, was der Mensch tun kann, um das Heil zu erlangen, ist: glauben und das Geschenk der Gnade Gottes annehmen!

athanasius hat geschrieben:„Bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern“ (Phil 2,12). Dazu zählen auch besonders Werke der Barmherzigkeit.

Mit "Heil" kann ja hier wohl kaum das ewige Heil gemeint sein, sonst wäre das Werkgerechtigkeit in Reinkultur und in krassem Widerspruch zum Römerbrief. Man muss den Vers als Ganzes und im Zusammenhang betrachten:

Phil 2,12: Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht nur wie in meiner Gegenwart, sondern jetzt <noch> viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern!

In den vorangehenden Versen hat Paulus vom Leiden für Christus und vom Kampf gegen Widersacher (1,28-30) sowie von Uneinigkeit, Eigennutz und Ruhmsucht (2,2-4) gesprochen. "Heil" bezieht sich hier offenbar auf die Rettung vor diesen Gefahren. F.B. Hole schreibt dazu:

In Vers 12 verläßt der Apostel dieses erhabene Thema und kommt auf seine Ermahnung zurück, die in Kapitel 1,27 begann. Er wünschte, daß ihr Lebenswandel in allem dem Evangelium entspräche und daß sie sich durch hingebungsvolle Arbeit für das Evangelium in Einmütigkeit und durch Standfestigkeit angesichts der Anfeindungen auszeichneten. Damals, als Paulus bei ihnen ein- und ausging, waren sie allem, was er ihnen vorstellte, gehorsam gewesen. Jetzt, da sie seines persönlichen Beistands beraubt waren, sollten sie, wenn möglich, seinem Wort noch mehr gehorchen. Denn von außen bedrohten sie Gefahren, und innen war die versteckte Gefährdung durch die Zwietracht, und deshalb sollten sie mit doppelter Energie die Gesinnung, die in Christus Jesus war, suchen und offenbaren. Dadurch würden sie ihre eigene Errettung von alledem bewirken, was sie jetzt bedrohte. Und das sollten sie mit Furcht und Zittern tun, indem sie sich ihrer eigenen Schwachheit bewußt wären. Petrus hatte einmal gemeint, er könne seine eigene Errettung ohne Furcht oder Zittern bewirken, und wir wissen, was dabei herauskam.

Ähnlich William MacDonald:

Das »Heil«, von dem hier die Rede ist, ist nicht das Seelenheil, sondern Befreiung von den Fallstricken, die die Christen daran hindern wollten, den Willen Gottes zu tun. In ähnlichem Sinne beschreibt Vine es als »die völlige, gegenwärtige Erfahrung der Befreiung vom Bösen«. Heil hat viele verschiedene Bedeutungen im NT. Wir haben schon bemerkt, daß es in 1,19 die Befreiung aus dem Gefängnis bedeutet. In 1,28 ist damit die endgültige Erlösung unserer Leiber von der Gegenwart der Sünde gemeint. Die Bedeutung in jedem einzelnen Fall muß, zumindest teilweise, durch den Kontext bestimmt werden. Wir glauben, daß in diesem Abschnitt »Heil« die Lösung der Probleme der Philipper bedeutet, d. h. die Befreiung von Streitereien.

Ich komme jetzt nochmal auf die ursprüngliche Frage dieses Threads zurück:

toffil hat geschrieben:... würde ich gerne ein Thema zur Diskussion stellen, welches mir nicht ganz einfach erscheint, nämlich den Jakobusbrief und hier speziell den 24. Vers des zweiten Kapitels: "Da seht ihr, daß der Mensch durch Werke gerechtfertigt wird und nicht durch den Glauben allein." (Schlachter 1951) Ich habe bisher keine zufriedenstellende Auslegung gefunden, welche mir den vermeintlichen Widerspruch beispielsweise zu Galater 2,16 [...] erklären konnte; deshalb wäre ich für entsprechende Erläuterungen bzw. eine Diskussion darüber dankbar.

Ich denke, dass Jakobus mit "Rechtfertigung" etwas anderes meint als Paulus. Bei Paulus geht es um die Rechtfertigung vor Gott, und die geschieht allein durch Glauben, bei Jakobus dagegen um die Rechtfertigung vor den Menschen, und die kann nur durch Werke geschehen, weil der Glaube für die Mitmenschen nicht sichtbar ist. So schreibt z.B. Darby in der Synopsis:

Beachten wir wohl, dass Jakobus niemals sagt, dass die Werke uns vor Gott rechtfertigen; denn Gott kann den Glauben auch ohne dessen Werke wahrnehmen. Er weiß, ob Leben vorhanden ist. Es tritt ja in Ausübung im Blick auf Ihn, für Ihn, im Vertrauen auf Sein Wort und auf Ihn Selbst, indem es Sein Zeugnis annimmt trotz allem, was von innen oder außen dagegen sein mag. Gott sieht und weiß das. Aber wenn es sich um unsere Mitmenschen handelt, wenn gesagt werden muss: „Zeige mir“, dann zeigt sich der Glaube (das Leben) in den Werken.

Und nochmal F.B. Hole - hier ist das gut zusammengefasst:

Wir müssen nur bemerken, daß es Jakobus darauf ankommt zu zeigen, was vor Menschen gültig ist, wie Vers 18 erkennen läßt. Ein Mensch hat das Recht zu verlangen, daß wir unseren Glauben aus unseren Werken zeigen und so uns selbst und unseren Glauben vor ihm rechtfertigen. Im Römerbrief liegt der Schwerpunkt auf dem, was vor Gott gültig ist. Eben diese Worte "vor Gott" kommen in Römer 4,2 vor, wie wir gesehen haben. Unser Glaube ist vor Seinem alles durchdringenden Auge völlig offenbar. Er braucht nicht darauf zu warten, daß sich als Frucht unseres Glaubens Werke zeigen, um über die wirkliche Existenz unseres Glaubens Gewißheit zu haben. In der Welt der Menschen sind Werke eine Notwendigkeit, denn ohne sie können wir nicht gewiß sein, daß lebendiger Glaube vorhanden ist. Die Beispiele in den Versen 14-16 sind sehr beweiskräftig. Wir mögen Glauben an Gottes Fürsorge für Sein Volk bekennen, aber wenn dieser Glaube uns nicht willig macht, selbst ein Kanal zu sein, durch den sie strömt, dann haben bedürftige Brüder oder Schwestern keinen Nutzen davon, und wir selbst auch nicht. Unser Glaube ist in diesem besonderen Punkt tot und folglich unwirksam, wie uns Vers 17 sagt, und wir dürfen nicht überrascht sein, wenn andere ihn anzweifeln.

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Re: Nach langer Stille ...

Beitragvon schween am Di 23. Nov 2010, 00:34

Eigentlich gibt es zwischen dem Römerbrief und dem Jakobusbrief keinerlei Widerspruch. Der Widerspruch entsteht erst, wenn man an einer der beiden Aussagen zu zweifeln anfängt. Das passiert meist, wenn man es versucht, in theologische Modelle zu drücken.

Warum lässt man es nicht stehen?
"So kommen wir nun zu dem Schluß, daß der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes." (Röm, 3,28)
"So seht ihr nun, daß der Mensch durch Werke gerechtfertigt wird und nicht durch den Glauben allein." (Jak 2,24)
Beides ist absolut richtig und unverzichtbar!

"wer dagegen keine Werke verrichtet, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet." (Röm 4,5)
- Hier geht es um die eigenen Werke, um Gott wohlgefällig zu sein. Meist auch als Werke des Gesetzes bezeichnet (Röm 3,28; Gal 2,16 u.a.).

Die Glaubensdefinition der Bibel: "Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht." (Hebräer 11,1)
Und hier steht für "Zuversicht" das griechische Wort "hypostasis", das sehr stark auch die Bedeutung von Substanz und Verwirklichung/Realisierung beeinhaltet. Der biblische Glaube ist also mehr als ein bloßes "Fürwahrhalten".
Man sieht z.B. auch aus Hebräer 11,4ff, dass dieser Glaube sich nie ein theoretischer war, sondern immer ein praktisches Handeln auf die Aussagen Gottes hin nach sich zog.
Glaube (im griechischen "pistos") bedeutet zu gleichen Teilen auch Treue und Vertrauen. Und ein echter Glaube bewirkt immer, dass man auf der Grundlage von Glaubensaussagen handelt, da man ansonsten an der Treue Gottes zweifeln würde.

Biblischer Glaube und Gehorsam sind auch in der Bibel ein untrennbares Zweierpaar, achtet mal drauf. Der Römerbrief ist zum Beispiel für diese Thematik geschrieben worden: Am Anfang und Ende schreibt er vom Glaubensgehorsam (Röm 1,5; 16,26).

Ein Schlüssel zum Entwirren dieses (theologisch, aber biblisch nicht vorhandenen) Problems:
"Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch — Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen." (Epheser 2,8-10).

Biblischer Glaube wirkt immer Werke. Aber das sind auch weder Werke des Gesetzes noch Werke aus uns selbst heraus.
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Re: Nach langer Stille ...

Beitragvon toffil am Mi 24. Nov 2010, 10:57

schween hat geschrieben:Eigentlich gibt es zwischen dem Römerbrief und dem Jakobusbrief keinerlei Widerspruch. Der Widerspruch entsteht erst, wenn man an einer der beiden Aussagen zu zweifeln anfängt. Das passiert meist, wenn man es versucht, in theologische Modelle zu drücken.

Warum lässt man es nicht stehen?
"So kommen wir nun zu dem Schluß, daß der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Werke des Gesetzes." (Röm, 3,28)
"So seht ihr nun, daß der Mensch durch Werke gerechtfertigt wird und nicht durch den Glauben allein." (Jak 2,24)
Beides ist absolut richtig und unverzichtbar!

"wer dagegen keine Werke verrichtet, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet." (Röm 4,5)
- Hier geht es um die eigenen Werke, um Gott wohlgefällig zu sein. Meist auch als Werke des Gesetzes bezeichnet (Röm 3,28; Gal 2,16 u.a.).

Die Glaubensdefinition der Bibel: "Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht auf das, was man hofft, eine Überzeugung von Tatsachen, die man nicht sieht." (Hebräer 11,1)
Und hier steht für "Zuversicht" das griechische Wort "hypostasis", das sehr stark auch die Bedeutung von Substanz und Verwirklichung/Realisierung beeinhaltet. Der biblische Glaube ist also mehr als ein bloßes "Fürwahrhalten".
Man sieht z.B. auch aus Hebräer 11,4ff, dass dieser Glaube sich nie ein theoretischer war, sondern immer ein praktisches Handeln auf die Aussagen Gottes hin nach sich zog.
Glaube (im griechischen "pistos") bedeutet zu gleichen Teilen auch Treue und Vertrauen. Und ein echter Glaube bewirkt immer, dass man auf der Grundlage von Glaubensaussagen handelt, da man ansonsten an der Treue Gottes zweifeln würde.

Biblischer Glaube und Gehorsam sind auch in der Bibel ein untrennbares Zweierpaar, achtet mal drauf. Der Römerbrief ist zum Beispiel für diese Thematik geschrieben worden: Am Anfang und Ende schreibt er vom Glaubensgehorsam (Röm 1,5; 16,26).
Ein Schlüssel zum Entwirren dieses (theologisch, aber biblisch nicht vorhandenen) Problems:
"Denn aus Gnade seid ihr errettet durch den Glauben, und das nicht aus euch — Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind seine Schöpfung, erschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen." (Epheser 2,8-10).

Biblischer Glaube wirkt immer Werke. Aber das sind auch weder Werke des Gesetzes noch Werke aus uns selbst heraus.

Ich kann dem, wenn ich die Bibel beim Wort nehmen will, nicht zustimmen!

Im gesamten Kontext der Bibel zieht sich der rote Faden "Errettung allein aus Gnade und Glauben" durch, während Jakobus dies eindeutig anders formuliert. Ich bringe diese beiden Enden nicht zusammen.
toffil
 

Re: Nach langer Stille ...

Beitragvon schween am Mi 24. Nov 2010, 14:09

Man kann das anhand verschiedener Alltagsbeispiele veranschaulichen:

Ein Kind steht auf einer zwei Meter hohen Mauer, unten davor steht sein Vater.
Der Vater sagt dem Kind zu: "Spring und ich werde dich auffangen!"
Das Kind zögert.
Der Vater fragt: "Glaubst du mir etwa nicht?"
Das Kind sagt: "Doch ich vertraue dir vollständig!"
Der Vater: "Dann spring!"
Kind springt nicht.

Das muss nicht heißen, dass das Kind dem Vater gar nicht vertraut, jedoch bringt sein Vertrauen in diesem Punkt keine Frucht, d. h. kein Werk hervor.

Hingegen kann es dem Vater ständig sagen: "Du fängst mich ja doch nicht auf!" Und dann mit bebendem Herzen und zitternden Knien doch springen.

Welches Kind hat denn nun dem Vater (im biblischen Sinne) geglaubt.


Ein biblisches Beispiel:
"Durch Glauben gingen sie durch das Rote Meer wie durch das Trockene, während die Ägypter ertranken, als sie das versuchten." (Hebräer 11,29)

- Gingen die Kinder Israels mit großer Glaubensgewissheit und -freudigkeit hindurch? Waren sie tollkühn und eiskalt, sodass sie durch die Kraft ihres Glaubens handelten?
So denken wir als Menschen doch, dass wir durch die Kraft eines festen Glaubens Dinge vollbringen können, aber ist ein solcher Glaube nicht auch eine Art von Werk?
Geht es im biblischen Sinne von Glaube nicht darum, aufgrund der Zusagen Gottes zu handeln?

Die Kinder Israels fürchteten sich (2Mo 14,10), hatten Sorgengeist, Angst, Unglaube, Hader (2Mo 14,11). Trotzdem gingen sie auf das Wort Mose hin durchs Meer. Das war ihr Glaube wie es uns in Hebr 11,29 als ein Vorbild geschildert wird.
Ja, selbst Mose wackelte in dieser Not (2Mo 14,15), jedoch wurden sie alle durch ihren Glaubensgehorsam gerettet.

Wie schon gesagt, man könnte es kurz zusammenfassen mit "biblischer Glaube = Gehorsam". Jedoch kommen die Werke aus dem Glauben heraus, sie erzeugen weder Glaube noch Rechtfertigung.

Und somit sehe ich keinerlei widerspruch bei Jakobus, denn auch diese Stellen hat der Geist eingehaucht. Wir sollen dabei sicher lediglich lernen, dass biblischer Glaube keine Theorie ist, sondern ein ganz praktisches Handeln nach Gottes Verheißungen. Mehr nicht, weniger aber auch nicht!
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Re: Nach langer Stille ...

Beitragvon athanasius am Mi 24. Nov 2010, 21:36

Jedoch kommen die Werke aus dem Glauben heraus, sie erzeugen weder Glaube noch Rechtfertigung.

Jakobus 2, 25: "Wurde nicht ebenso auch die Dirne Rahab durch ihre Werke als gerecht anerkannt, weil sie die Boten bei sich aufnahm und dann auf einem anderen Weg entkommen ließ?"

Und wie steht es hier mit?

Grüße
A.
athanasius
 

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