Bibelkritik im BEFG

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Bibelkritik im BEFG

Beitragvon schneid9 am Di 29. Jul 2008, 20:39

Schon mehrmals wurde in ideaSpektrum über die bibelkritischen Positionen des baptistischen Theologen Kim Strübind (ehemals Pastor der EFG München, jetzt Inhaber einer Vertretungsprofessur an der Universität Oldenburg) berichtet, zuletzt im April anlässlich des Artikels "Warum die Bibel (nicht immer) Recht hat", den Strübind in der von ihm selbst herausgegebenen Zeitschrift für Theologie und Gemeinde 13 (2008), S. 32-44 veröffentlicht hat. Die von idea zitierten Aussagen waren bereits haarsträubend genug; ich bringe hier ein paar weitere Kostproben, wobei ich weniger die sattsam bekannte Fundamentalismusschelte als die Aussagen über die Bibel selbst in den Mittelpunkt stelle.

Würde man der Bibel tatsächlich eine „Unfehlbarkeit in allen Dingen“ zugestehen wollen, wäre dies ein blasphemischer Akt. Denn den Vater Jesu Christi für alles Morden und jede Bosheit verantwortlich zu machen, die in seinem Namen in der Bibel geschahen, hieße einen Psychopathen mit Persönlichkeitsspaltung zu verehren, der zwischen seinem ungezügelten Mord- und Rachedurst einerseits, der auch vor Frauen, Kindern und Tieren keinen Halt macht, und seiner selbstvergessenen Liebe andererseits hin- und hergeworfen ist. Erst im Laufe der Menschheitsgeschichte hätte dieser Gott dann lernen müssen, seine Rachsucht zu zügeln, um über theologische Desaster wie etwa die Sintflut und andere Hiobsbotschaften etwas über sich selbst zu erfahren. Göttliche Ambivalenzen dieser Art ergäben sich zwangsläufig, wenn man denn alle Aussagen der Bibel über Gott beim Wort nähme.

Dieses Zitat macht die Denkvoraussetzungen Strübinds sehr deutlich: Er geht von einem unseren heutigen menschlichen Vorstellungen entsprechenden Gottesbild aus und verwirft alles, was nicht in dieses "moderne" Bild passt. Dass dieses Gottesbild genauso geschichtlich bedingt ist, wie er es dem alttestamentlichen Gottesbild vorwirft, lässt er dabei außer Acht. Und was die Blasphemie betrifft - welche Aussagen sind wohl blasphemischer, die der alttestamentlichen Autoren oder die Strübinds?

Die geschichtlichen Erinnerungen, die sich als das „kulturelle Gedächtnis“ Israels in einem komplexen Überlieferungsprozess zu den alttestamentlichen Geschichtswerken verdichteten, entpuppten sich gerade nicht als Berichte über „historische Ereignisse“, zumal die hebräische Kultur gar keinen kategorialen Unterschied zwischen Vergangenheit und Gegenwart kennt. Beide Zeitstufen liegen im Hebräischen auf derselben Verstehens- und Reflexionsebene, weshalb die Vergangenheit immer aus der Perspektive der Gegenwart rekonstruiert wird.

Das würde bedeuten, dass die Israeliten gar kein Interesse an historisch "richtigen" Schilderungen gehabt hätten. Warum dann aber die langen Geschlechtsregister, die vielen sorgfältig zusammengestellten und überlieferten Zahlenangaben usw.?

So sind etwa die im Zusammenhang der „Landnahme“ durch die Israeliten vollzogenen Vernichtungsorgien an den Kanaanäern (Jos 1–11) – gottlob – gar nicht geschehen. Vielmehr handelt es sich um eschatologische Programmtexte (den sog. „Rachepsalmen“ nicht unähnlich), mit deren Hilfe das exilisch-nachexilische Judentum seine Erfahrungen bitterer Unterdrückung durch fremdländische Mächte kompensierte, indem es seine Hoffnungen auf Jahwes vergeltendes Handeln in eine idealisierte Vergangenheit zurückprojizierte. Solche Texte waren als eine Art Blaupause für die Zukunft gedacht.

Das sind bloße Behauptungen ohne jeden Beleg.

Das gilt für die gesamte Frühgeschichte Israels, die aus der Sicht ihrer Verfasser eigentlich eine Zukunftsvision darstellt. Die besonders innerhalb der letzten zwanzig Jahre entdeckten Zeugnisse der Archäologie haben ein aussagekräftiges Netz an Indizien und Belegen dafür erbracht, dass es weder eine kriegerische „Landnahme“ noch überhaupt ein aus dem „Ausland“ eingewandertes Volk von zwölf geeinten Stämmen namens Israel gegeben hat, das mit der alttestamentlichen Überlieferung vereinbar wäre.

Dass etwas nicht stattgefunden hat, kann ja wohl höchstens aus dem Fehlen von Belegen geschlossen werden. Aber wie seriös ist eine solche Beweisführung?

Zwar kann ein nichtsesshafter Ursprung kleinerer Bevölkerungsanteile der im Land Kanaan ansässigen Israeliten als wahrscheinlich gelten, dieser hat aber nichts mit den herkömmlichen Vorstellungen von einem angeblichen frühisraelitischen „Nomadentum“ zu tun. [...] Israel hatte aller Wahrscheinlichkeit nach weder eine „nomadische“ noch eine von der kanaanäischen Stadtkultur unterscheidbare Vergangenheit. Es ist auch nie ein einheitliches Volk gewesen und wurde erst in der frühen Königszeit aus innerkanaanäischen Gruppen und einer kleineren, wohl aus Ägypten zugewanderten „jahwistischen“ Moseschar unter der Personalunion Davids und Salomos für wenige Jahre zu einer kurzlebigen Gemeinschaft amalgamiert, bis es wieder in seine ursprünglichen politischen Gebilde im Norden und im Süden zerfiel. Die Geschichte Gesamtisraels beginnt streng genommen mit David und endet wenige Jahrzehnte später mit der Herrschaft Salomos. Die Vorstellung von einem geeinten Reich, das auf eine gemeinsame Vergangenheit von miteinander verbundenen und zusammen eingewanderten zwölf Stämmen zurückblickt, stellt eine in nachexilischer Zeit konstruierte Projektion dar, das die später idealisierte davidische Zeit (die allerdings alles andere als ideal war) nachträglich zu einem normativen eschatologischen Bild für ein noch nicht verwirklichtes, aber erhofftes Israel konstruierte.

Auch die Überlieferungen der Erzväter Abraham, Isaak und Jakob, die kaum wirklich miteinander „verwandt“ waren oder auch nur denselben Gott verehrten, verweisen historisch nicht auf die Zeit vor der Staatsgründung. Es handelt sich vielmehr um Erzählungen, die das Bild einer aus Mesopotamien zurückkehrenden „Tempelgemeinde“ des ausgehenden 6. Jahrhunderts ohne König und staatliche Souveränität an den Ursprung der Geschichte Israels zurückverlegten. So wurden die „Vätererzählungen“ (Gen 12–50) zum Gründungsmythos (Ätiologie) einer königslosen und auf den Tempelkult fokussierten Zeit, mit deren Hilfe die nachexilischen Verhältnisse ätiologisch geschichtlich verankert wurden.

Dies bedeutet zugleich, dass von einer geschlossenen Eroberung Kanaans, wie es das Josuabuch darstellt, keine Rede sein kann. Dagegen spricht nicht nur die idealisierte Utopie des Josuabuchs, das unter dem Gesichtspunkt des nachexilischen Thora-Gehorsams verfasst wurde, der vor der Zeit Esras völlig undenkbar ist.

Undenkbar vielleicht für die moderne Theologie! Es ist geradezu verblüffend, wie naiv sich Strübind deren Positionen anschließt und wie wenig er bereit ist, ihre Voraussetzungen zu hinterfragen.

Auch der salomonische Tempel von Jerusalem war nichts anderes als eine – sofern die übertrieben klingenden biblischen Angaben überhaupt historisch zutreffend sind – überdimensionierte, aber ansonsten exakte Kopie eines weit verbreiteten kanaanäisch-syrischen Tempeltyps, in dem der Gott Baal zu Hause war. Es kann noch nicht einmal als gesichert gelten, dass der salomonische Tempel wirklich dem Gott Jahwe geweiht war. Vieles spricht dagegen, etwa die durchgängig El- oder Baal-haltigen Namen in Israel während der frühen Königszeit, was sich erst in der Zeit Josias zugunsten Jahwe-haltiger Namen veränderte. Die Berufung zweier Hoherpriester in Jerusalem, von denen der eine (Zadok) die kanaanäische Stadtreligion der vormaligen Jebusiter repräsentierte („Zadok“ ist der Name einer kanaanäischen Gottheit), verweist jedenfalls auf ein schiedlich-friedliches Nebeneinander von Jahwe und anderen Gottheiten selbst zur Zeit des angeblichen „Jahwe-Lieblings“ David.

Zu solchen alles andere als zwingenden Deutungen kommt man, wenn man die Exegese dem von Gott emanzipierten Verstand überlässt.

Im Folgenden referiert Strübind zustimmend einen Vortrag des Alttestamentlers Hermann Spieckermann:

Mit Hilfe neuerer Funde ließen sich nicht nur die Differenzen zwischen der „höfischen Theologie“ und den landesweit praktizierten Dorf- und Familienkulten im vorexilischen Israel belegen, sondern auch, dass Israels Nationalgott Jahwe bis in die Zeit des babylonischen Exils selbstverständlich neben den kanaanäischen Gottheiten wie Baal und El (und einer Reihe anderer Götter) verehrt worden sei. Die alttestamentlichen Attribute Jahwes sind mit denen des Baal deckungsgleich, wie die ugaritischen Texte belegen. Seit längerer Zeit weiß man auch, dass Jahwe ursprünglich nicht immer „solo“ war. Eine Begleiterin namens Aschera wird mehrfach als seine göttliche Gemahlin genannt („Jahwe und seine Aschera“), was auch erst in nachexilischer Zeit als anstößig empfunden wurde. Wie Spieckermann anhand alttestamentlicher Namen und ihrer Parallelen in der Umwelt aufzeigte, muss in der Zeit der Könige auch mit einem verbreiteten Ahnenkult gerechnet werden, dem sprachlich Abraham und die Segensverheißung in Gen 12,1–3 zugeordnet werden könnten.

Alles haarsträubende menschliche Spekulationen!

Zu Spannungen zwischen Jahwe und den anderen Göttern kam es erst durch das Auftreten einzelner Propheten in vorexilischer Zeit, die als Neuerung die Alleinverehrung Jahwes forderten, ohne freilich die Existenz anderer Götter damit grundlegend in Frage zu stellen. Jahwe, der spätere Bundesgott Israels, war voraussichtlich ja selbst einmal Teil einer „Götterversammlung“ (Pantheon) gewesen, die zumindest Jahwe, El und Baal umfasste, wie manche Psalmen noch zeigen (z.B. Ps 82). Der Monotheismus, so Spieckermann, hat darum eine „moderat polytheistische Vorgeschichte“. [...] Erst in nachexilischer Zeit, als man nach der Ursache für den Untergang von Land, Tempel und Königtum im bis dahin verbreiteten Polytheismus suchte, entstand schließlich jenes „monotheistische“ Geschichtsbild der Frühzeit, das wir heute in den überlieferten Texten vorfinden. Es handelt sich bei den biblischen Geschichtswerken daher um das Paradox einer „Erinnerung an die Zukunft“ (Christoph Levin). Denn Israel hat erst in Babylon zu einer eigenständigen und konturierten religiösen Identität gefunden und verehrte erst ab diesem Zeitpunkt Jahwe als alleinigen Gott. Jahwe, der ursprünglich wohl ein midianitischer Kriegs- und Wettergott war, wurden nun auch die Eigenschaften aller anderen und einst neben Jahwe verehrten Götter zugeschrieben.

Der Berliner Alttestamentler Matthias Köckert befasste sich in seinem Vortrag mit der Herkunft des Bilderverbots im Deuteronomium und belegte in seiner Auslegung von Dtn 4, dass dieser Text nicht nur aus nachexilischer Zeit stammt, sondern zwingend voraussetzt, dass im Jerusalemer Tempel ursprünglich ein Kultbild Jahwes gestanden haben muss, das sichtbar über den Cheruben im Allerheiligsten thronte. Wie der textliche Zusammenhang deutlich macht, wird in Dtn 4 das babylonische Exil als Strafe für die vermutlich auf Salomo zurückgehende Errichtung dieses Kultbilds Jahwes verstanden.

Hier wird es geradezu lachhaft: Weil es echte Prophetie nicht geben kann, muss die Androhung des Exils als Strafe für Götzen- oder Bilderdienst (5Mo 4,25-27) als nachträgliche Spiegelung eines realen Ereignisses verstanden werden!

Mit der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier 586 v. Chr. ist dann mit der Bundeslade wohl auch das Kultbild Jahwes zerstört worden, weshalb keine Überreste erhalten sind. Auch die bildlose Verehrung Jahwes, die der Dekalog fordert (Ex 20,4; Dtn 5,8), erweist sich damit im Unterschied zur biblischen Darstellung als ein spätes, unter dem Eindruck des Exils und des Versuchs seiner Bewältigung entstandenes Postulat, das einem „Traditionsabbruch“ folgte. Das Kultbild Jahwes, das in nachexilischer Zeit nicht einfach erneuert werden konnte (das durfte im Alten Orient nur auf göttliches Geheiß geschehen), wurde im Deuteronomium durch die Thora ersetzt.

Kommentar überflüssig ...

Auch im Neuen Testament haben sich einige Sichtweisen verändert, wobei bereits seit langem bekannt ist, dass viele neutestamentliche Schriften einen anderen Ursprung haben, als es die kirchliche Überlieferung lange Zeit annahm. Keines der Evangelien geht auf einen Apostel zurück, und sechs der sieben Paulusbriefe stammen gar nicht von Paulus selbst, sondern von späteren „Schülern“.

"Bekannt" ist überhaupt nichts, das sind lediglich Behauptungen rationalistischer Theologen.

Welche Konsequenzen haben diese Erkenntnisse für den Umgang mit der Bibel? Können wir der Bibel „trauen“? Ja, gewiss, aber die Religionsgeschichte zeigt auch, dass die Texte der Bibel alles andere als unfehlbar sind und auf eine Weiterführung des ihnen inhärenten Auslegungsprozesses drängen, der an der willkürlich gezogenen Kanongrenze keinen Halt machen darf. Denn die Aussagen und theologischen Deutungen biblischer Traditionen haben sich bereits innerhalb der biblischen Überlieferungsgeschichte maßgeblich verändert. Die Bibel ist daher kein Lehrbuch, das eine Summe von religiös unfehlbaren Richtigkeiten enthält. Sie erweist sich bei näherem Hinsehen als ein sich kontinuierlich entwickelndes, letztlich unabgeschlossenes und einladendes Gespräch über den Glauben, dessen kanonische Genese sich zumindest in groben Zügen nachzeichnen und in seinen entwicklungsgeschichtlichen Zusammenhängen beschreiben lässt.

Indem die Religionsgeschichte die biblischen Texte an ihrem Entstehungsort aufsucht und sich akribisch mit den Bedingungen ihres Verständnisses auseinandersetzt, ist sie in einem sehr präzisen Sinn „bibeltreu“ zu nennen und kann dieses Prädikat weit mehr als jede fundamentalistische Verzeichnung für sich beanspruchen.

Eine interessante Bemerkung, die zeigt, wie selbst ein scheinbar so frommes Wort wie "bibeltreu" Spielraum für bibelkritische Deutungen lässt. Darauf hat auch Willem J. Ouweneel bei seiner Kritik des Wortes "bibeltreu" immer wieder hingewiesen.

Die Wahrheit ist nicht das, was eine Mehrheit für richtig hält. Eine Mehrheit kann eine Regierung wählen, aber nicht darüber entscheiden, was wahr ist.

Dem ist prinzipiell zuzustimmen, aber im Kontext meint Strübind damit, dass die Exegese vorwiegend den religionsgeschichtlich geschulten Experten vorbehalten bleiben und nicht den Laien überlassen werden sollte. Offenbar ein verstecktes Eingeständnis, dass Strübinds Positionen im BEFG derzeit (glücklicherweise!) noch nicht mehrheitsfähig sind.

Das ist Evangelium für jene, die wie ich mit dem angeblich grausamen Vernichtungswillen Jahwes und seiner gelegentlich anzutreffenden despotischen Willkür im Alten Testament ihre Schwierigkeiten haben. Solche Traditionen hat die Bibel zwar archivarisch aufbewahrt, zugleich aber kritisiert und korrigiert und sie für uns Christen in jenen Gott münden lassen, der im Messias Jesus von Nazareth seine Menschenfreundlichkeit und damit sein Wesen offenbarte.

Woher weiß Strübind dann aber, dass "jener Gott" der richtige ist? Kann nicht das neutestamentliche Gottesbild genauso "falsch" sein wie das alttestamentliche? Für Strübind ist es offenbar deshalb "richtig", weil es "menschenfreundlich", also ihm persönlich angenehmer ist. Aber was ist das für ein Kriterium? Kann sich der Mensch also den Gott heraussuchen, der ihm am besten gefällt? "Der Mensch schuf Gott nach seinem Bilde ..."?

Diese Ambivalenzen der Deutungen Gottes sind ohne Bibelkritik, zu der die Bibel ihre Leserinnen und Leser nachdrücklich einlädt und herausfordert, nicht verstehbar.

Dass die Bibel selbst ihre Leser zur Bibelkritik "nachdrücklich einlade", ist absurd. Allenfalls die von Strübind unterstellte Widersprüchlichkeit der biblischen Texte kann zur Bibelkritik "einladen", aber dann ist es nicht die Bibel selbst, die "einlädt", sondern Strübinds Bild von ihr.

Für Fundamentalisten ist die Bibel nicht geschrieben, sondern für Menschen, die sich nach Immanuel Kant nicht scheuen, „sich ihres Verstandes ohne Hilfe (oder besser: Bevormundung) anderer zu bedienen“. Wohlan denn!

Damit endet Strübinds Aufsatz. Auch hier ist frappierend, wie naiv sich Strübind dem Rationalismus der Aufklärung verschreibt und ihn sogar noch der Bibel unterschiebt, als ob sie selbst einen solchen Zugang verlange. Dabei ist dieser rationalistische Zugang genauso ideologiebehaftet wie der sogenannte "fundamentalistische", nur ist es eben eine andere Ideologie.

Wie bei jedem x-beliebigen landeskirchlichen Mainstream-Theologen wird die Bibel bei Strübind auf eine Sammlung menschlicher Glaubenszeugnisse reduziert, der als solcher keine göttliche Offenbarungsqualität zukommt. Ich persönlich halte es für einen Skandal, dass solche Positionen heute innerhalb des BEFG möglich sind, ja dass Vertretern dieser Auffassungen sogar Führungspositionen innerhalb des Bundes offen stehen (Strübind war von 1996 bis 2006 Bildungsreferent der bayerischen Baptistengemeinden, von 1999 bis 2002 Mitglied der Bundesleitung, von 2002 bis 2004 Landespräses und Vorsitzender des Rates der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden in Bayern und ist seit 2002 Vorsitzender der Theologischen Kommission des Landesverbands Bayern im BEFG). Die Baptisten sind einmal als Bibelbewegung angetreten; in ihrem ersten Glaubensbekenntnis von 1847 hieß es:

Die Heilige Schrift ist die alleinige Quelle unserer Gotteserkenntnis, die alleinige Regel unseres Glaubens und Lebens. Da sie vom Heiligen Geist eingegeben ist, enthält sie untrügliche Wahrheit, und es müssen alle Lehren und Gemeindeordnungen durch sie bewiesen werden können.
(zitiert nach Stephan Holthaus, Fundamentalismus in Deutschland, Bonn ²2003, S. 275; vgl. die weiteren Zitate baptistischer Theologen ebd., S. 276-280)

Noch heute sind einige führende Vertreter der Unfehlbarkeit und Irrtumslosigkeit der Bibel Mitglieder von Baptistengemeinden. Wäre es nicht angezeigt, sich von den Positionen Strübinds öffentlich zu distanzieren, um den Namen BEFG/Baptisten nicht noch weiter in Verruf zu bringen? Und wäre es für die Brüdergemeinden im BEFG nicht vielleicht an der Zeit, einmal neu über die Zugehörigkeit zum Bund nachzudenken?
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Re: Bibelkritik im BEFG

Beitragvon wpev am Fr 8. Aug 2008, 12:32

Kim Strübind disqualifiziert sich selber mit solchen Äußerungen. Man fragt sich was da noch geschehen muß... um offizielle Reaktionen zu bewirken. Was er sagt ist ja keinesfalls der Tenor des BEFG ... doch warum wird Zurückhaltung statt Eindeutigkeit geübt? Ist es Liebe? Liebe... ohne die Frage wem (welchen Geschwistern) Schmerzen zugefügt werden?

Epheser 6, V 12. Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut,(eig. Blut und Fleisch) sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern.
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Re: Bibelkritik im BEFG

Beitragvon cyberservant am So 10. Aug 2008, 11:34

Und wäre es für die Brüdergemeinden im BEFG nicht vielleicht an der Zeit, einmal neu über die Zugehörigkeit zum Bund nachzudenken?

In unserer Gemeinde (Brüdergemeinde im BEFG) tun wir das als Leitungsverantwortliche seit vielen Jahren immer wieder. Was uns bisher davon abhält, den Bund zu verlassen, ist die Befürchtung, daß dadurch eine Spaltung unserer Gemeinde entstehen können, weil wir einige Gemeindeglieder mit baptistischem Hintergrund haben. Diese Befürchtung ist unter den jetzigen Ältesten allerdings geringer geworden, und ich könnte mir durchaus vorstellen, daß wir diesen Schritt eines Tages vollziehen. Mir wäre sehr viel wohler, wenn wir das tun könnten - allerdings mit möglichst wenigen Verlusten.

Die andere Seite ist allerdings, daß ich nicht für alles verantwortlich gemacht werden kann, was irgend ein Glied einer anderen Gemeinde des BEFG verzapft. Ich bin nur für meine eigene Gemeinde (mit)verantwortlich. Daß man dennoch seit Jahrzehnten unter solchen Auswüchsen leidet, ist natürlich auch klar.
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Re: Bibelkritik im BEFG

Beitragvon toffil am Fr 15. Aug 2008, 17:45

Meiner Ansicht nach müssen solche krassen Äußerungen Konsequenzen haben.

Also entweder, dass dieser Mann entfernt wird, oder dass man sich mit der eigenen Gemeinde von diesem Bund distanziert.

Ich denke, eins der größten Probleme der Christenheit ist die Tatsache, dass man (aus durchaus lauteren Motiven!) den Frieden hochzuhalten versucht und sich deshalb scheut, klare Konsequenzen zu ziehen. Dies führt jedoch langfristig zu immer mehr Sauerteig, den man am Schluß überhaupt nicht mehr wegbekommt.
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Re: Bibelkritik im BEFG

Beitragvon MAE am Mi 8. Okt 2008, 20:26

Herr Strübind hat sich - lt. einem Bericht von idea.de dahingehend geäußert, dass das Priestertum aller Gläubigen nicht biblisch sei. Daraus schlussfolgere ich, dass er für einen Klerus ist. Das ist aus seiner Sicht sicherlich positiv. Denn nur wenn man die Stimmen der einzelnen Gemeindeglieder als gleichberechtigt ausschließt, kann man auf Dauer die unbiblischen Lehren verbreiten, für die er bekannt ist. Diese ganze Entwicklung ist einfach nur noch traurig.
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Re: Bibelkritik im BEFG

Beitragvon schneid9 am Mo 27. Okt 2008, 22:12

Eine hervorragende, sehr nüchtern und unpolemisch geschriebene Entgegnung auf den Artikel Strübinds gibt es in der neuesten "Perspektive":

Hans-Georg Wünch: "Abraham und Mose - eine späte Erfindung des Judentums? Warum die Bibel doch Recht hat - eine Erwiderung auf Kim Strübind". Perspektive 11/2008, S. 26-29.
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Re: Bibelkritik im BEFG

Beitragvon wpev am Di 28. Okt 2008, 11:04

Zeph 3,5 Jehova ist gerecht in ihrer Mitte, er tut kein Unrecht; Morgen für Morgen stellt er sein Recht ans Licht, ohne zu fehlen. Aber der Ungerechte kennt keine Scham.

Man könnte fast befürchten das der BEFG in eine Belastungsprobe gerät. Wie lange soll, und kann, das geduldet werden? Da wird im Bund der FEG um die Rolle der Frau in der Gemeinde jahrelang "gerungen"... hier wird in wenigen Schritten offenbar Demontage und Zerstörung provoziert (?)

Wie tröstlich das der Herr der Gemeinde unüberwindbar und unverbrüchlich zu SEINEM Wort steht.
Psalm 95, In Gottes Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.
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Re: Bibelkritik im BEFG

Beitragvon GOH am Do 15. Jan 2009, 18:56

Diese Tendenz ist absolut nicths Neues. Ein Freund von mir besuchte Anfang der 70er Jahre das Baptisten-Seminar in Hamburg. Dort wurde zu seinem Entsetzen im Unterricht offen Bibelkritik betrieben und die sogenannte Quellenscheidung durchgeührt, während man nach Aussen hin sich gedeckt hielt. Das ist jetzt fast 40 Jahre her und sicherlich nicht besser geworden.

Man muß sich fragen, welchen "Nutzen" (wenn man das überhaupt so sagen darf) die Bundes-Gemeinden aus dem BEFG ziehen? Für die Baptisten sind sie ohnehin nur ein kleines Anhängsel. Die "evangelisch-freikirchlichen Gemeinden" sind Mitglied im ACK (Arbeitskreis christlicher Kirchen). Man muß sich nur die Liste der Kirchen anschauen, die dort Mitglied sind! Die Bundes-Brüder haben zwar ausdrücklich ein Statement abgegeben, dass sie sich nicht als Teil des ACK sehen, aber es zeigt einfach, wie groß der Spagat hier wird.
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Re: Bibelkritik im BEFG

Beitragvon schneid9 am Fr 16. Jan 2009, 18:25

GOH hat geschrieben:Diese Tendenz ist absolut nicths Neues. Ein Freund von mir besuchte Anfang der 70er Jahre das Baptisten-Seminar in Hamburg. Dort wurde zu seinem Entsetzen im Unterricht offen Bibelkritik betrieben und die sogenannte Quellenscheidung durchgeührt

Zwischen Quellenscheidung und der extremen Bibelkritik Strübinds sehe ich aber schon noch einen Unterschied. Selbst Darby schloss die Existenz verschiedener Quellen im Pentateuch nicht aus:

John Nelson Darby hat geschrieben:Now I should have no difficulty in supposing two, twenty, or twenty thousand documents [in the Pentateuch], provided I have God's relation of the matter out of them. Human instrumentality I can admit to any extent, provided I have divine certainty and divine intention. (CW 9:88)

Also etwa: "Ich hätte keine Schwierigkeit damit, zwei, zwanzig oder zwanzigtausend Dokumente [im Pentateuch] anzunehmen, vorausgesetzt dass ich Gottes Bericht über die Ereignisse darin finde. Menschliche Vermittlung kann ich in jedem Maße zugestehen, vorausgesetzt dass ich göttliche Sicherheit und göttliche Absicht [darin] finde."

Auch wenn Darby die Unterscheidung zwischen "jahwistischen" und "elohistischen" Teilen vorher als "stupid theory" bezeichnet (ebd.), besteht er doch nicht auf der einheitlichen Autorschaft Moses, sondern erklärt letztlich die ganze Frage für irrelevant. Maßgebend für ihn ist, dass die Endgestalt des Textes Gottes autoritatives und zuverlässiges Wort ist.

An der überlegenen Ironie, mit der Darby die Sache behandelt ("twenty thousand documents"), sollte man sich heute vielleicht ein Beispiel nehmen ...
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Re: Bibelkritik im BEFG

Beitragvon GOH am Fr 16. Jan 2009, 21:30

Der Unterschied lieg aber wohl auch dain, ob man zuminderst davon ausgeht, als Mose der Hauptredakteur der Bücher war, wobei ihm eine ganze Teihe früherer Quellen zur Verfügung gestanden haben (wie dies Darby auch sicherlich für möglich hielt), oder ob ich davon ausgehe, daß ein anonymer Jahwist, Elohist, Priester und ... und ... Jahrhunderte später den Text zusammengebastelt haben.
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