Emerging Church

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Re: Emerging Church

Beitragvon toffil am Sa 3. Jan 2009, 11:59

ich hat geschrieben:
asderrix hat geschrieben:Wenn die alten Texte nicht verstanden werden, muss dies ja nicht an den Texten liegen. Vielleicht sind ja nur die Sänger bzw. Zuhörer einfach nicht mehr in der Lage in die Tiefen der Gedanken der Liederdichter "einzutauchen". Was Du in letzter Konsequenz erwartest, wäre die Lieder an die geistlliche Armut der heutigen Zeit anzupassen.

Es kommt auch darauf an, zu welchem Zweck oder bei welcher Gelegenheit man Lieder singt. Und der Melodie tut es keinen Abbruch wenn Kommunisten diese für sich übernommen haben sollten. Die wussten dann eben auch Gutes zu schätzen.

So ist es. Unglücklicherweise paßt sich genauso wie die Schule auch das Gemeindeleben dem immer schlechter werdenden geistigen Niveau seiner "Kunden" an.

Hinsichtlich Melodie möchte ich noch hinzufügen, dass es keineswegs nur auf den Text ankommt. Von Adolf Graul gibt es hierzu ein interessantes Buch.
toffil
 

Re: Emerging Church

Beitragvon ich am Sa 3. Jan 2009, 12:05

toffil hat geschrieben: So ist es. Unglücklicherweise paßt sich genauso wie die Schule auch das Gemeindeleben dem immer schlechter werdenden geistigen Niveau seiner "Kunden" an.


Das das geistige Nivieau schlechter geworden ist, mag stimmen. Aber ich würde in diesem Zusammenhang lieber von "geistlich" sprechen.
ich
 

Re: Emerging Church

Beitragvon toffil am Sa 3. Jan 2009, 15:19

ich hat geschrieben:
toffil hat geschrieben:Das das geistige Nivieau schlechter geworden ist, mag stimmen. Aber ich würde in diesem Zusammenhang lieber von "geistlich" sprechen.

Ich hatte absichtlich geistig benutzt, weil das Thema, auf welches sich die Aussage bezog, eben viel mit dem geistigen Niveau zu tun hat.
toffil
 

Re: Emerging Church

Beitragvon asderrix am Sa 3. Jan 2009, 16:56

ich hat geschrieben:
asderrix hat geschrieben: Wenn die alten Texte nicht verstanden werden, muss dies ja nicht an den Texten liegen.


Muss nicht, stimmt, aber wenn Ausdrücke gebraucht werden, die der Mensch, der kein Christ ist, noch nie im Leben gehört hat, liegt es am Text.

Des weiteren, wie viele dieser Texte sind auch sehr unrealistisch?

Ich hab mir das Liederbuch geholt, innerhalb von nicht mal einer Minute hatte ich ein Beispiel:

Lied 76
Ich walle in der Fremde, von Menschen ungekannt,...
walle versteht niemand,
von Menschen ungekannt, „aber wir kennen die dieses Lied singen doch“, werden Nichtchristen sagen, die Bedeutung dieser Aussage ist mehr als unverständlich

Vers 2. Will mich der Lauf ermüden, und find ich nirgend Ruh, ist doch mein Herz in Frieden,...
Stimmt das wirklich immer?
Es gibt Zeiten der Anfechtung, wo ich das singen kann, weil ich wirklich erlebe wie Gott mich trägt, aber ich kenne auch manche Zeiten, wo das nicht so ist, wo ich wie David oder Hiob von Fragen geplagt werde wo mir Gott unendlich fern vorkommt, das ja ist das normale auf und ab des Christenlebens.

Mit der Melodie, sehe ich es genau so, dass die Melodie neutral ist, mit meiner Aussage wollte ich nur darauf hinweisen, dass schon damals als die alten Lieder geschrieben wurden, moderne Melodien zur Vertonung genommen wurden.
Damit wollte ich dem Argument entgegenwirken
„Weil heutzutage die Welt ja so böse und schlecht ist, sind die Melodien, die heute modern sind, ja auch so schlecht und dürfen nicht für gute aussagekräftige Texte genommen werden.“
Leute die von der so bösen und schlechten Zeit sprechen sollten sich im AT einmal umschauen was es da alles gab, sollten die Geschichte einmal etwas studieren, welche Entartungen es da gab.
Nur weil wir in unserem Medienzeitalter mit Katastrophenmeldungen überschüttet werden, ist diese Zeit nicht schlimmer als andere unchristliche Zeitepochen, wo Hurerei, Homosexualität, Tempelprostitution, Mord und Todschlag, an der Tagesordnung waren.
Manche Bücher gibt es die interessant sind, keines davon kann ich als objektiv und gut empfehlen.
Die Ausarbeitung von Gaul habe ich kurz überflogen und kann sie, von dem ersten Eindruck her, nur in diese Kategorie mit einreihen.
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Re: Emerging Church

Beitragvon toffil am Sa 3. Jan 2009, 18:44

Hallo Asderrix,

meines Erachtens begehst Du einen Fehler, den viele machen: Du reihst Dich in die Reihen derer ein, die den Menschen und seine Bedürfnisse im absoluten Vordergrund sehen und der Meinung sind, darauf müsse alles abgestimmt sein.

Im Einzelnen: Ich habe noch nie von einer Forderung gehört, dass beispielsweise klassische säkuläre Literatur in eine moderne Sprache gebracht werden müsse, damit sie jeder verstehen kann.

Wenn jemand nicht weiß, was "wallen" bedeutet, dann soll er gefälligst jemanden fragen, der's weiß. So machst Du es doch jeden Tag, wenn Dir beispielsweise ein neuer Ausdruck im Computerbereich begegnet, oder etwa nicht?

Ich gehöre zu einer Generation, die gerade so noch weiß, was eine Worfschaufel ist. Wäre das nicht so, müßte ich halt einen Älteren fragen, was das ist und was der Herr denn damit vorhat. Oder ich müßte denen glauben, die behaupten, dies habe etwas mit dem Antrieb des Raumschiffs Enterprise zu tun.

Man kann doch nicht für jede nachfolgende Generation die Bibel und das Liedgut umschreiben.

Zu "Vers 2": Erwartest Du wirklich, dass man Lieder dichtet, die sich mit menschlicher Gefühlslage beschäftigen und zu jeder Zeit auf Deine eigene passen? Meiner Meinung nach ist ein solcher Text gerade in den von Dir beschriebenen Zeiten sehr tröstend, weil er Dich erstens dran erinnert, wie es sein könnte, und Dich zweitens anspornt, über Dein Gottvertrauen nachzudenken.

Was die Melodien anbelangt, liegst Du vollkommen falsch! Fakt ist, auch wenn man Adolf Graul nicht mag, dass Musik das Gefühlsleben massiv beeinflußt. Hör Dir einfach mal direkt nacheinander "Großer Gott, wir loben Dich", "Griechischer Wein", "Nessun Dorma" und "Rock around the Clock" an, und Du wirst erstens erleben, dass diese Musik auf Dich wirkt, und zweitens, dass sie völlig unterschiedlich wirkt (mit der Auswahl der Lieder wollte ich übrigens keinerlei Bewertung abgeben, sondern lediglich anhand meiner eigenen Eindrücke aufzeigen, wie verschiedenartig Musik uns beeinflusst).

Thorsten wird bestätigen können, dass in charismatischen Kreisen Musik bewußt dazu benutzt wird, um einen tranceähnlichen, schwärmerischen Zustand herbeizuführen.

Das bedeutet also, dass man bei der Auswahl der Musik sehr aufmerksam sein muß, sowohl hinsichtlich Text als auch bezüglich Melodie.

Es spielt übrigens nicht die geringste Rolle, ob Musik alt oder neu, modern oder altertümlich ist, wenn nur die oben genannten Kriterien erfüllt sind.

Und noch eine Anmerkung zu den Nichchristen: Es spielt zumindest in den regulären Zusammenkünften von Gemeinden oder Versammlungen überhaupt keine Rolle, ob Nichtchristen da sind oder nicht. Jedenfalls nicht dahingehend, dass man den Gottesdienst in irgendeiner Weise auf diese zuschneiden sollte. Dies ist einer der Kardinalfehler, der vermehrt in der "modernen" Christenheit begangen wird, dass man glaubt, man müsse die normalen Zusammenkünfte der Gemeinde für Nichtchristen attraktiv machen.

Ich fürchte allerdings, wir schweifen ab!
toffil
 

Re: Emerging Church

Beitragvon asderrix am Sa 3. Jan 2009, 19:30

Ja Toffil, wir schweifen ganzschön ab ;)

Bei manchen, was du schriebst, bin ich anderer Meinung, ich möchte nur auf den letzten Absatz noch mal eingehn.

Das Problem ist, das wir Veranstaltungen für Christen haben, das war bei Paulus und den Aposteln nicht so.
In den Gemeindeveranstaltungen der damaligen Zeit fanden sich Nichtchristen wieder, das was an Verkündigung kam wurde verstanden und musste nicht erst übersetzt werden.
Das ist das Ziel ,das ich für unsere Zusammenkommen habe, ohne das Wort Gottes zu verbiegen so zu reden, dass es verstanden wird.
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Re: Emerging Church

Beitragvon schneid9 am Sa 3. Jan 2009, 21:46

asderrix hat geschrieben:Aber bitte wie vor 150 Jahren, als die jungen Brüder christliche Inhalte hinterfragten, und auf Grund dieser intensiven Studien des Wortes Gottes zu ihren Erkenntnissen kamen. Damit haben sie die vollkommene Erkenntnis erreicht, diese christlichen Erkenntnisse dürfen nicht in gleicher Weise hinterfragt werden. Eine fortschreitende Erkenntnis die über das damals erkannte hinaus geht ist unbiblisch, richtig?

Das ist ja das Dilemma aller "revolutionären" Bewegungen, auch in der Politik: Bleibt man dem Prinzip der Revolution treu und verändert sich ständig weiter, oder bleibt man den Errungenschaften der Revolution treu und wird dadurch "konservativ"? In Mexiko hieß die langjährige Regierungspartei bezeichnenderweise "Partei der Institutionalisierten Revolution" - eigentlich ein Widerspruch in sich ...

Selbst in einem so profanen Bereich wie dem Automobilbau sieht man das. Der 1955 vorgestellte Citroën DS war eine automobile Revolution. Seither gibt es bei jeder Präsentation eines Citroën-Spitzenmodells geteilte Erwartungen: Die einen erwarten wieder eine Revolution, d.h. ein Auto, das radikal mit dem Üblichen (und damit auch mit dem Vorgängermodell) bricht, die anderen erwarten ein Auto, das die bisherige Linie fortsetzt und sofort als Citroën erkennbar ist. Welches der beiden Autos wäre ein "typischerer" Citroën?

Die Situation, in der sich die Brüderbewegung befindet, ist also so außergewöhnlich nicht: Im 19. Jahrhundert gegenüber den etablierten Kirchen als "revolutionäre" Bewegung angetreten, steht sie seither immer wieder neu vor der Frage, ob sie (1) das Erreichte festhalten und damit "konservativ" werden soll oder ob sie (2) auch gegenüber sich selbst eine "revolutionäre" Haltung einnehmen muss.

Eine konsequente Entscheidung für Möglichkeit (2) wäre wohl kaum sinnvoll, da dann die Revolution zum Selbstzweck erhoben und alles Erreichte ständig über Bord geworfen werden müsste. Eine konsequente Entscheidung für Möglichkeit (1) würde bedeuten, den Zustand des 19. Jahrhunderts zu konservieren - das wird selbst in den "Alten Versammlungen" nur teilweise gemacht (Liedgut, Gestaltung der Zusammenkünfte). Wie üblich wird die richtige Antwort irgendwo in der Mitte liegen: Man muss sich fragen, welche Errungenschaften der Brüderbewegung unaufgebbar sind und welche den veränderten Zeitumständen angepasst werden können/müssen. Dass verschiedene Brüder(gruppen) dabei zu verschiedenen Ergebnissen kommen, ist sicher nicht weiter verwunderlich.
Michael Schneider
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Re: Emerging Church

Beitragvon epaphroditus am So 4. Jan 2009, 02:11

hallo, ich hatte garnicht damit gerechnet, dass es hier mit der Besprechung so schnell vorwärts geht. Deswegen gehe ich auf einige Aussagen ein.

thorstenb hat geschrieben:Bei mir geht es jedoch nicht um ein Urteil oder gar eine Verurteilung, sondern um eine Beobachtung und persönliche Meinung zu dem Gesehenen und Gehörten.
Davon ab: Zum Toronto-Segen kann man sich wohl nur eine Meinung bilden, wenn man auch persönlich in Toronto war?! Originalaufnahmen wie im Film zu meinem Buch „Gott auf charismatisch“ sind dann also keine Hilfe?!
Zu 2) Ich kenne Wiedenest seit 20 Jahren und bin seit 2 Jahren in Austausch mit Mitarbeitern von Wiedenest. Mit verantwortlichen Leitern haben drei Brüder meines Vertrauens gesprochen mit dem Ergebnis, dass Wiedenest an seinem Kurs festhält.
Zu 3) Ich habe nicht „haufenweise Bibelzitate“ angeführt! Wie ich selbst in meiner Versammlung evangelistisch aktiv bin, weicht hier vom Thema ab. Nur so viel: Ich halte am meisten von persönlicher Evangelisation und beteilige mich an Büchertischeinsätzen und Vortragsabenden ohne pragmatische Elemente.

Das mag in Dillenburg aufgrund der Freundschaft zu Wiedenest vielleicht mal zutreffen können (z. B. schon durch die musikalische Veränderung vom Jugendchor zur Rockband beim Dillenburger Jugendtag).

Hallo Thorsten. Danke für deine Antwort. Hier noch ein paar Kommentare dazu:
(1) Das bedeutet, wenn ich es richtig verstehe, dass es dir um Beobachtungen geht und du mit deiner Meinung andere auf den richtigen Weg bringen möchtest. Hierzu musst du nicht zwingend selber vor Ort sein, sondern kannst Veröffentlichungen jedweder Art nutzen und analysieren?
Ich finde es schade, dass du mit das extremste Ereignis der letzten 50 Jahre in Vergleich setzt zu Wiedenest. Das hat die Bibelschule doch bestimmt nicht verdient oder? Klar muss man nicht in Toronto gewesen sein, auch wenn man noch nicht mal deinen Film hat. Nebenbei: Ich habe dein Buch gelesen, aber mich hat es enttäuscht. Ich hatte klare biblische Antworten auf Fragen erwartet. Stattdessen habe ich eine Ansammlung von Zitaten vorgefunden, die in einer rhetorisch geschickt-manipulativen Weise aneinander gereiht wurden. Und immer wieder wurden Bibelzitate dazwischen gesetzt, die einem den Eindruck vermitteln, dass das vorher Geschriebene falsch sein muss. Und dann wirfst du alles in einen Topf. Alles, was nicht Brüdergemeinde ist ist charismatisch ohne zu differenzieren. Wie gesagt, ich hatte Bibelauslegungen und klare Beweise von Irrlehren erwartet. Aber ich möchte dich damit nicht angreifen oder kränken. Ich wollte nur die Möglichkeit nutzen eine Rückmeldung zu dem erwähnten Buch zu geben.

(2) Das ehrt dich und damit hat sich meine Frage auch geklärt. Wenn Wiedenest von deiner/eurer Kritik nicht hören will ist das dann deren Problem. Schön, dass du Wiedenest seit 20 Jahren besuchst und die Entwicklung dann sicher besser beurteilen kannst als einer wie ich. Danke.

(3) Ich habe das "haufenweise" allgemein gemeint. Nicht gegen dich. Ich habe auf dieser Seite immer mal den Eindruck, grade auf den Seiten wo es um die Trennungsbriefe geht, dass mit vielen Bibelstellen nur so um sich geworfen wird. Aber nirgendwo gibt es weitere Erklärungen dazu. Man erwartet immer, dass jeder Leser die Stellen parat hat und auch die Auslegung kennt. Das ist für einen nicht so bewanderten dann oft sehr mühsam nach zu vollziehen.

(4) Wenn ich das richtig verstehe, dann ist Dillenburg (wer auch immer damit konkret gemeit ist [die Alte Versammlung oder die Bundfreien Brüder?]) auch auf dem Weg der Wiedenester? Das bedeutet, dass die auch Bibelkritisch sind und "Lobpreisstimulation" und charismatische Lieder bewusst verwenden, um junge Menschen zu manipulieren? Das ist echt interessant. Ich dachte eigentlich immer, dass die jungen Leute, die dort Musik machen einfach junge Christen sind, die mit ihren Gaben der Musik mithelfen Gott zu loben. Und wenn ich mich recht entsinne hat dort auch niemand die Leute aufgefordert irgendetwas zu tun. Man hat dort lediglich eingeladen, dass jeder mitsingen darf.

Zur "Lobpreisstimulation" noch die kurze Frage: Ist es dann auch eine solche Stimulation, wenn unsere Sonntagschulmitarbeiter die Kinder auffordern lauter zu singen oder den berühmten Ausruf "jetzt mal alle zusammen" machen?

toffil hat geschrieben:Das bedeutet also, dass man bei der Auswahl der Musik sehr aufmerksam sein muß, sowohl hinsichtlich Text als auch bezüglich Melodie.
Es spielt übrigens nicht die geringste Rolle, ob Musik alt oder neu, modern oder altertümlich ist, wenn nur die oben genannten Kriterien erfüllt sind.

Ja, ich stimme dir zu. Musik beeinflusst die Gefühlslage von Menschen. Aber ist es verboten? Eigentlich müsste es doch schön sein, ein Lied der Anbetung so zu singen, dass man nicht nur weiß, dass man Gott lobt, sondern es auch merkt, weil man sich wohl fühlt oder?
Ich weiß, dass das (wenn ich mir eure Diskussionen allgemein mal ansehe) dazu führt, dass einige sagen werden "es geht nicht um dich", "fühlen gehört nicht in die Versammlungsstunde" oder dass man direkt mit "charismatischem Schwarmgeist" argumentiert (auch wenn ich nicht im geringsten eine Ahnung habe, was das ist).
Zu den genannten Kriterien habe ich die ernste Frage, wo ich das in der Bibel finde. Kann mir einer die Bibelstellen zu den Kriterien speziell zur Musik mal schreiben? Wenn ich an Musik in der Bibel denke, dann fallen mir immer nur die tausenden Leviten ein, deren Hauptaufgabe im Tempel die Musik war und die in richtige Gruppen eingeteilt wurden. Aber scheinbar gibt es da ja genaue Anweisungen, wie genau der Text sein soll, was Gott gefällt und was vom Teufel kommt.

toffil hat geschrieben:Man kann doch nicht für jede nachfolgende Generation die Bibel und das Liedgut umschreiben.

Tut mir Leid, wenn ich auch hierzu ne Frage stellen möchte. Aber ihr sagt ja immer, man soll fragen, wenn man was nicht versteht.
Unter umschreiben würde man ja erst mal verstehen, dass es gefälscht wird oder? Ne ich glaube fälschen wäre nicht gut. Aber der Sprache anpassen, Wahrheiten mit Worten beschreiben, die in der aktuellen Sprache bekannt sind, das müsste doch normal und gut sein oder? Ich mein der Herr Luther hat es doch auch gemacht. Und der, der die Bibel aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt hat. Und der Herr Darby hat es ins Englische übersetzt und der Herr Wycliff auch. Und der Herr Brockhaus ins Deutsche, obwohl es schon eine deutsche Übersetzung gab. Ok, er wollte es vielleicht genauer und richtiger machen. Aber wieso hat man dann beim Neudruck im Jahr 1905 ein paar Sachen korrigiert? Wieso bis ins Jahr 1985 nocheinmal, wenn nicht um eine sprachliche Anpassung vorzunehmen? Wenn man da konsequent wäre, müsste man dann nicht Griechisch lernen und aus dem derzeit aktuellsten Grundtext seine Andachten erarbeiten? Oder würde das was vorgeschlagen wird in der Konsequenz bedeuten, dass man demnächst eine Art Wörterbuch "Elberfelder Deutsch - Hochdeutsch" herausgeben muss, weil nicht mehr in jeder Versammlung genügend Brüder die alten Begriffe kennen? Wenn das für die Bibel gilt, dann auch für das Liedgut?
Ich weiss, ich hab es etwas provozierend geschrieben. Aber ihr versteht hoffentlich mein Anliegen dahinter oder?

toffil hat geschrieben:So ist es. Unglücklicherweise paßt sich genauso wie die Schule auch das Gemeindeleben dem immer schlechter werdenden geistigen Niveau seiner "Kunden" an.

Was wäre dann deine Schlussfolgerung? Das geistige Niveau in den Versammlungen hochhalten? Eigene Geschwister, die diesem Niveau nicht folgen können, weil sie in der Schule verblöden und im Elternhaus nicht gefördert werden, mehr oder weniger dumm dastehen zu lassen. Führt das nicht zum Resultat "Friss oder stirb"? Friss bedeutet dann, wer die Sprache und das Niveau hat, kann Christ sein? Stirb, wer nicht mehr mitkommt muss schweigen? Ist das dann vielleicht der Grund, warum viele jüngere in den Versammlungen lieber schweigen?
Nimm mir den Stil nicht übel, aber ich suche Antworten.

johannes hat geschrieben:Was einem heute so als Anbetunslieder angeboten wird dreht sich immer um das ich. Was kann ich tun, was tu ich, was fühle ich usw.
Was dabei verloren geht, ist das Christuszentrierte. All mein leben auch mein gesang muss auf ihn hinzielen und muss Gott verherrlichen.

Kann es sein, dass du sehr stark pauschalisierst? Heute gibt es also nur Lieder in denen es um mich geht und die alten sind alle Christuszentriert? Maßen wir uns da nicht etwas an? Liegt es wirklich nur an dem WAS ich singe und nicht auch ein bischen an dem WIE ich singe? Ich meine die Herzenshaltung. Ein schönes Christuszentriertes Lied, dass 50% der Geschwister gelangweilt abspulen ehrt den Herrn doch nicht mehr, als wenn 20 junge Leute ein Lied singen, in dem sie zum Ausdruck bringen, dass sie selbst den Herrn in ihrem Leben brauchen oder?
Auch in der bekannten Brüderliedliteratur gibt es doch Lieder, die mehr Ich-zentriert sind oder? 179 z.B. So nimm denn meine Hände und führe mich...

Ich hoffe ihr nehmt mir meinen Stil nicht übel. Aber es muss doch möglich sein viele solcher Fragen klar und eindeutig zu beantworten? Warum sieht es der eine Christ so und ein anderer so? Wieso hat Gott das nicht detaillierter aufgeschrieben? Wieso macht Gott es einigen Brüdern klar, was der richtige Weg ist und anderen nicht? Sind die einen besser als die anderen? Geht die Geschichte der Trennungen immer so weiter? Schade eigentlich.

Im Herrn verbunden grüßt
Epaphroditus
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Re: Emerging Church

Beitragvon toffil am Mi 7. Jan 2009, 13:53

Hallo Epaphroditus,

eins vorweg: Ich persönlich habe nicht das geringste Problem mit Deinem Stil; auch ich bevorzuge eine klare Aussprache und sehe sowieso nichts Verletzendes in Deinen Worten!!!

Im Einzelnen zu Deinem Beitrag: Was Dillenburg anbelangt, würde mich auch sehr interessieren, wenn hierzu jemand detaillierte Informationen hätte. Wie erwähnt wohne ich dort, bin obendrein gerade auf der Suche nach einer neuen Gemeinde und tendiere eigentlich sehr stark zur (offenen) Brüdergemeinde Manderbach. Dass die geschlossenen Brüder Dillenburgs mit den hier geschilderten Entwicklungen gemeint sind, kann ich mir nicht vorstellen, deshalb würde ich davon ausgehen, dass es die offenen Brüder entweder in Manderbach oder in der Kernstadt sind. In jedem Fall wünsche ich mir weitere Informationen zu dem Thema!

Zur Musik: Ich persönlich liebe „charismatische“ Musik, und ich mag auch englische Musik. Aber abgesehen von dem, was in charismatischen Kreisen mit der Musik weitgehend bewusst gemacht wird, ist das Ganze meiner Ansicht nach eine Frage nach Prioritäten. Ich bin durchaus der Meinung, dass Fühlen auch in einem Gottesdienst erlaubt ist, und es ist für mich auch nichts Schlimmes, wenn das Bauchgefühl stimmt. Allerdings, und hier beginnt das Problem, verlieren wir Menschen allzu leicht die Unterscheidungsfähigkeit und verschieben die Prioritäten. Meine Beobachtung im Bereich der FeG ist zunehmend, dass dieser Gemeindebund es perfekt geschafft hat, den Spagat zwischen Christenleben und Welt hinzukriegen und nahezu alle menschlichen (fleischlichen?) Bedürfnisse mit frommen Texten zu versehen und weiter auszuüben. Das gilt besonders auch für die Musik.

Und auch ohne entsprechende Bibelstellen parat zu haben, gehe ich davon aus, dass in Gegenwart des allmächtigen Gottes dieser die Priorität auch über meine Gefühle haben sollte. Deshalb meine ich, sollte Musik so ausgewählt werden, dass sie einer Anbetungshaltung nicht im Weg steht. Und dazu dient Rockmusik garantiert nicht. Die typische charismatische Musik wiederum macht das Gebot, „nüchtern“ zu sein, zunichte.

Die Frage nach dem „verboten“ finde ich gut und wichtig. Das alles sollte sicher nicht verboten sein, allerdings liegt das Problem da, dass wir Menschen einfach nicht in der Lage sind, innezuhalten. Wir können nicht aufhören, wenn es genug ist, sondern schießen eben immer übers Ziel hinaus. Und so ergibt es sich, dass irgendeine Sache, die für sich betrachtet überhaupt nicht schlimm ist, schleichend zunimmt und irgendwann Priorität besitzt und somit letztendlich doch schlimm wird. Deshalb würde ich bei allen Veränderungen im christlichen Leben immer das „Wehret den Anfängen“ im Hinterkopf behalten.

Auch was das Anpassen der Sprache anbetrifft, muß ich Dir völlig recht geben, sehe aber auch hier die Gefahr (und das hat sich ja auch weit vor der Volxbibel längst bestätigt!), dass die Protagonisten schnell übers Ziel hinausschießen. Die „Hoffnung für Alle“ ist in meinen Augen eine fürchterliche Entgleisung, weil sie eben nicht nur anpasst, sondern massiv interpretiert. Eventuell liegt das auch daran, dass es für Worte wie „harren“ kein richtiges hochdeutsches Synonym gibt, ich weiß es nicht.

Auf der anderen Seite fand ich das Wycliffbeispiel sehr hilfreich, als man die Bibel für das Volk übersetzen musste, wo die Schlange die Delikatesse Nummer eins ist. Da konnte man gar nicht anders als umschreiben.

Zum geistigen Niveau: Generell muß man selbstverständlich versuchen, dieses hochzuhalten, nicht nur in den Versammlungen. Das hat natürlich eine Menge mit der Art zu tun, wie Christenleben gelebt wird. Als ich zur Schule ging, vor sagen wir 35 Jahren, gab es aus der AV nur eine verschwindend geringe Zahl, die zur Hauptschule gingen. Alle anderen besuchten höhere Schulen. Die Sache mit dem Fernseher ware tatsächlich für etwas gut … Dieses höhere Niveau erkenne ich auch in diesem Forum, wo wohl die meisten oder alle einen brüdergemeindlichen Hintergrund haben.

Allerdings hat dies in den letzten zwei, drei Jahrzehnten massiv nachgelassen, und ich bin sicher, dass es mit dem Anpassen an den Zeitgeist zu tun hat.

Aus meiner Sicht sieht man daran, dass es unglaublich wichtig ist, ein durchgängiges, nachhaltiges geistliches und Familien-leben zu führen. Und beispielsweise an der Stelle, wo Frau von der Leyen lautstark außerfamiliäre Betreuung fordert, nicht mit dem Zeitgeist mitzugehen, sofern man es sich leisten kann.

Und selbstverständlich darf man niemanden in irgendeiner Weise diskriminieren, wenn er wo auch immer nicht folgen kann. Reden und erklären ist absolut wichtig, und es sollte sich jeder zu Wort melden dürfen, der ein Anliegen hat.

Zu der Frage, warum Gott so viele Dinge nicht detaillierter vorgegeben hat, habe ich eine Theorie: Gott will, dass bei uns Christen die Liebe vor der Lehre kommt! Ganz einfach.

Dummerweise ist das ein weiterer Aspekt, der unserem normalen menschlichen Willen diametral entgegensteht. Wir Menschen bleiben ja auf keinem Gaul mittig sitzen, sondern fallen entweder rechts („Lehre voran, Liebe wenn’s passt“) oder links (Hauptsache Liebe, Lehre nicht wichtig, es ist alles erlaubt“) hinunter.

Ich persönlich habe nun beide Extreme gut kennengelernt und versuche mich jetzt, der Mitte zu nähern und auch noch eine entsprechende Gemeinde zu finden. Beides nicht ganz einfach!
toffil
 

Re: Emerging Church

Beitragvon johannes am Mi 7. Jan 2009, 23:31

kurze Anmerkung zur Feg

wenn man darüber abstimmt (wohlgemerkt demokratisch) ob man Frauen als Pastoren zulässt, dann geht das Bein auf der weltlichen Seite schon etwas näher an den Boden als auf der anderen Seite.
johannes
 
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