Neo-Brüdertum

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Re: Neo-Brüdertum

Beitragvon Anke am Mo 30. Dez 2013, 13:55

Lieber Christian

Mein Versuch "Eure" Gemeinde etwas einordnen zu können, nach all dem Geschriebenen, misslingt daran, dass mir dabei etwas "sturm" im Kopf wird. Drum greife ich auch nur ein paar wenige Dinge auf:

- wenn ich es recht verstanden habe, dann beteiligen sich im Gottesdienst Frauen mit Gebeten (deutlich vernehmbar-ausgesprochenen Gebete)? Das heisst nicht ausserhalb in einem Kreis oder so, sondern direkt in der Zusammenkunft: d.h. 1. Kor 14,34.35 ist in Eurer Bibel durchgestrichen? Kannst Du bitte erklären warum?
- An welchen Schriftstellen macht Ihr denn nun das Abendmahl bei Euch fest, respektive wie setzt ihr es nun genau praktisch um? (Hat sich mir nicht erschlossen).
- Es hat mich irritiert, dass Du auf die biblische Beurteilung von Anderen hier im Forum (Rüdiger, Kleiner) nicht mit Schriftstellen und Begründung sondern mit Büchern und Literatur-Verweisen geantwortet hast. Das fördert nicht den Dialog. Kannst Du nicht wenigstens, wenn Ihr Auslegungen/Bücher zum Leitfaden nehmt, diese in 1-5 Sätzen zusammenfassen? Das fände ich auch "liebevoll" und würde doch dem gegenseitigen Verständnis eher dienen?
- Könntest Du dann noch anführen, mit was und wodurch die cessationistischen Auslegungen "multipel widerlegt" sind? Was für "textinterne Ergebnisse"?
- "Euer" "Traum" und "Vision"... kannst Du das nochmals kurz erklären?
- was bedeuten die 3 Pünktchen hinter dem "keine Zungenrede im Gottesdienst"? Zuhause schon? Oder der Eine so der Andere so?
- Kommst Du selbst aus einer Brüder-Versammlung? Die 54% von Michael Schneider mögen theoretisch gut errechnet sein, aber für mich ist (aufgrund der Einlassungen) eine Ähnlichkeit mit dem was Brüderbewegung ausmacht schwer zu erkennen. Wenn ja: was wurde davon nicht über Bord geworfen?
- Du hast Luk 10,27 angeführt. Bedingt Zweiteres das Erste (den HERRN zu lieben) oder umgekehrt? Was meint für Dich "ungeteilt"? Ich tue mich schwer damit was Du mit "ist es liebevoll gegenüber Gott" genau meinst? Wo ist da die Liebe zur Wahrheit? Was ist mit dem Glaubensgehorsam? Ist das nicht der erste Schritt (Bekehrung), worauf dann auch die nächsten Schritte folgen sollten? Müssen wir Kompromisse machen gegenüber Menschen, die noch keinen Gehorsam (1. Schritt) gezeigt haben? Wenn Jemand wirklich den Wunsch hat am Abendmahl teilzunehmen (?) (als Beispiel) ohne dass er sich bekehrt hat: dann hat er ja genügend Auswahlmöglichkeiten in anderen Denominationen!

In der Hoffnung, dass Du meine Fragerei nicht in den falschen Hals kriegst, verbleibe ich mit freundlichen Grüssen, Anita
Anke
 
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Re: Neo-Brüdertum

Beitragvon kleiner am Mo 30. Dez 2013, 15:29

Christian O. hat geschrieben:Hallo "kleiner",

ich habe geschrieben, dass unsere primäre Frage die ist: ""ist es liebevoll gegenüber Gott und den Menschen". Dies habe ich mit einer zentralen Bibelstelle unterlegt, nämlich dem Doppelgebot der Liebe. Was soll also Deine Einlassung? Gibt es irgendwelche Argumente Deinerseits?

Und ich ergänze zur Sicherheit noch das Folgende aus Mt 22,37ff: "Jesus antwortete: "'Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Verstand!' Das ist das erste und wichtigste Gebot. Das zweite ist ebenso wichtig: 'Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!' Mit diesen beiden Geboten ist alles gesagt, was das Gesetz und die Propheten wollen."

Blessings

Guten Tag Christian O.

Das habe ich schon verstanden, nur was deine Frage des Nachdenkens von Seiten Rüdigers damit zu haben soll, erschließt sich mir nicht. Wenn er schreibt " ist es auch schriftgemäß?" dann hat das durchaus seine Berechtigung. Die Motivation etwas zu tun oder zu lassen darf und soll natürlich immer aus der Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen entspringen. Damit ist aber noch nicht bewiesen, dass damit automatisch der Heiligen Schrift entsprochen wird.

Argumentativ sei folgendes Beispiel genannt: Ihr habt einen Sonntag im Monat reserviert, wo wegen der Besucher kein Brotbrechen stattfindet. Das mag auf den ersten Blick liebevoll gegenüber Menschen sein. Aber ist es auch schriftgemäß? Das würde ich ganz klar verneinen. Es ist zum einen nicht liebevoll gegenüber dem Herrn. Dieser sagte: "Dieses tut zu meinem Gedächtnis". In Apg. 20,7 steht: "Am ersten Tag der Woche aber, als wir versammelt waren, um Brot zu brechen,..." Das Brechen des Brotes war also der zentrale Zweck des Zusammenkommens und ist es doch auch heute noch.

Liebe zu Gott und den Menschen einerseits und Lehre bzw. Inhalte der Bibel andrerseits müssen schon konform gehen.
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Re: Neo-Brüdertum

Beitragvon Christian O. am Mo 30. Dez 2013, 16:14

Hallo Anita,

keine Sorge, ich kriege Deine Fragen schon nicht in den falschen Hals, allerdings kannst Du sicher einsehen, dass ich einen über Jahre dauernden Prozess nicht in ein paar Postings in diesem Forum fassen kann. Ich gedenke auch nicht mich / uns zu rechtfertigen, wir haben auch kein Problem damit, nicht mehr als Brüdergemeinde wahrgenommen zu werden.

Zu ein paar Deiner Punkte im Einzelnen:

Anke hat geschrieben:Es hat mich irritiert, dass Du auf die biblische Beurteilung von Anderen hier im Forum (Rüdiger, Kleiner) nicht mit Schriftstellen und Begründung sondern mit Büchern und Literatur-Verweisen geantwortet hast. Das fördert nicht den Dialog. Kannst Du nicht wenigstens, wenn Ihr Auslegungen/Bücher zum Leitfaden nehmt, diese in 1-5 Sätzen zusammenfassen? Das fände ich auch "liebevoll" und würde doch dem gegenseitigen Verständnis eher dienen?

Die Diskussion z.B. über die Beteiligung der Frau und auch über die Frage von Ältesten ist mit vielen Argumenten in diesem Forum (bitte einfach mal nachschauen, m.W. habe ich dort auch meine Einstellung dazu deutlich belegt) und an anderen Orten bereits geführt worden. Darum habe ich z.B. auf das Dokument der AGB verlinkt, weil es eine hervorragende Zusammenfassung beider (!) Standpunkte zum Thema Frauenbeteiligung liefert, und dieser Standpunkt lässt sich nicht in 5 Sätzen zusammenfassen. Wenn ich jetzt hier wieder dasselbe schreibe, dann muss Michael wieder mehrere Threads daraus machen, alos hab ihn lieb, und schau mal im Forum nach den bisherigen Meinungsäußerungen zum Thema nach.

Anke hat geschrieben:An welchen Schriftstellen macht Ihr denn nun das Abendmahl bei Euch fest

Die Bibel beschreibt uns, dass die junge Gemeinde das Abendmahl täglich und in den Häusern feierte, später in der Apostelgeschichte feierten Sie es am ersten Tag der (jüdischen) Woche, also mit großer Wahrhscheinlichkeit am Samstag Abend. Die Schrift schreibt uns aber weder Rythmus noch Häufigkeit noch Ort vor. Wir feiern jeden Sonntag Abendmahl, nicht aber wenn wir besondere Gottesdienste für Besucher haben. Feiert Ihr bei Evangelisationen Abendmahl?

Anke hat geschrieben:Könntest Du dann noch anführen, mit was und wodurch die cessationistischen Auslegungen "multipel widerlegt" sind? Was für "textinterne Ergebnisse"?

Auch hier verweise ich auf die Diskussion im Forum. Textintern hängt es z.B. in 1.Kor.13 an den Fragen a) was ist das "Vollkommene" und b) wann ist der Zeitpunkt des Aufhörens von Sprachen und stückweiseer Erkenntnis; a) und b) beziehen sich aber auf V.12: "Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels , undeutlich , dann aber von Angesicht zu Angesicht . Jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen , wie auch ich erkannt worden bin." Und eines ist ganz klar: wir erkennen erst im Himmel wie wir erkannt worden sind, oder hat bei Dir das "stückweise Erkennen" schon aufgehört? Wir denken daher, dass der Gabenkanon des Neuen Testaments auch heute noch gilt.

Anke hat geschrieben:Kommst Du selbst aus einer Brüder-Versammlung?

Ja, natürlich. Aus einer geschlossenen sogar :D. Und wir haben so manches nicht über Bord geworfen, was solchen Brüder wie Georg Müller etc. sehr wichtig war. Aber das wird dann wahrscheinlich schon der "falsche Zweig" der Brüderbewegung sein.

Anke hat geschrieben:Du hast Luk 10,27 angeführt

Nochmal zur Erläuterung: unser Herr selbst fasst das ganze Gebot im Doppelgebot der Liebe zusammen. Gott zu lieben ist seitens der Schrift in Joh 14,21 definiert: "Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt". Die Liebe zu den Menschen ergibt sich aus dieser Liebe zu Gott. Und natürlich hat "kleiner" da recht wenn er schreibt:

kleiner hat geschrieben:Liebe zu Gott und den Menschen einerseits und Lehre bzw. Inhalte der Bibel andrerseits müssen schon konform gehen.

Blessings
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Re: Neo-Brüdertum

Beitragvon kleiner am Mo 30. Dez 2013, 16:21

Christian O. hat geschrieben:Wir feiern jeden Sonntag Abendmahl, nicht aber wenn wir besondere Gottesdienste für Besucher haben.

Das hatte ich dann wohl falsch verstanden.
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Re: Neo-Brüdertum

Beitragvon Rüdiger am Mo 30. Dez 2013, 17:49

Lieber Christian O.

Christian O. hat geschrieben:Schauen wir uns das mal an:" Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot (Apg.2,46)". Und nun? Verlegen wir nun das Brotbrechen in die Häuser? Suchen wir uns einen Tempel? Oder gehen wir nach jüdischer Zeitrechnung, an der der erste Tag der Woche am Samstag abend beginnt?

Wir sehen im Laufe der Apostelgeschichte eine Entwicklung. Erst allmählich - vor allem durch den Dienst des Apostels Paulus - löste sich das Christentum von seinen jüdischen Ursprüngen (Apg 13,46!). In Troas war es anscheinend nicht mehr üblich, das Brot täglich zu brechen, sonst hätten Paulus und seine Begleiter nicht bis zum "ersten Tag der Woche" warten müssen.

Rüdiger hat geschrieben:1. Korinther 14,26: "Was ist es nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommet, so hat ein jeder von euch einen Psalm
Christian O. hat geschrieben:Und was sagt uns das über die Frage, wann ein jeder diesen Psalm hat? Sonntags morgens, oder Samstag, oder vielleicht auch früher?

Das steht doch im Text: "wenn ihr zusammenkommt".

Rüdiger hat geschrieben:1. Korinther 14,34.35: "Eure Weiber sollen schweigen in den Versammlungen
Christian O. hat geschrieben:Ein weites Feld. Was, wenn es um die Beurteilung von prophetischen Worten geht, und um nichts anderes? Die Literatur dazu ist umfangreich.

2. Korinther 11,3: "Ich fürchte aber, daß etwa, wie die Schlange Eva verführte durch ihre List, also auch euer Sinn verderbt und abgewandt werde von der Einfalt gegen den Christus."

Christian O. hat geschrieben:Ah ja? Spr 29,18 sagt uns: "Ohne Vision / Traum verwildert ein Volk"

Sprüche 29,18: "Wenn kein Gesicht da ist, wird ein Volk zügellos; aber glückselig ist es, wenn es das Gesetz beobachtet."
Hattet ihr "Gesichte" (göttliche Offenbarungen)?

Christian O. hat geschrieben:Die Schrift sagt in Lk 10,27: "Jesus aber antwortete und sprach: «Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst.» Genau das versuchen wir mit dem was wir tun ab zu bilden.

Mit "Liebe" wird heute so manches Unschriftgemäße gerechtfertigt (z.B. Homo-Segnungen).

Rüdiger
So spricht der HERR: Tretet auf die Wege, und sehet und fraget nach den Pfaden der Vorzeit, welches der Weg des Guten sei, und wandelt darauf; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Aber sie sprechen: Wir wollen nicht darauf wandeln. (Jeremia 6,16)
Rüdiger
 
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Re: Neo-Brüdertum

Beitragvon Christian O. am Mo 30. Dez 2013, 19:17

Hallo Rüdiger,
Rüdiger hat geschrieben:Wir sehen im Laufe der Apostelgeschichte eine Entwicklung. Erst allmählich - vor allem durch den Dienst des Apostels Paulus - löste sich das Christentum von seinen jüdischen Ursprüngen (Apg 13,46!). In Troas war es anscheinend nicht mehr üblich, das Brot täglich zu brechen, sonst hätten Paulus und seine Begleiter nicht bis zum "ersten Tag der Woche" warten müssen.

Frage 1: welche Praxis ist biblischer, täglich oder "am ersten Tag der Woche", und wenn ja wie begründest Du das?
Frage 2: woher weisst Du, dass es "anscheinend" nicht mehr üblich war? Kann es nicht genau so sein, dass sie in der Tradition von Apg.2,42 an jedem Tag das Brot brachen, aber nur die Zusammenkunft am Samstag Abend besonders herausgehoben wird?
Frage 3: wie kommst Du auf den Gedanken, dass Paulus "warten musste"?
Frage 4: und was berechtigt Dich aus einer beschreibenden Stelle eine "Lehre" für die Praxis der NT - Gemeinde zu machen? Was machst Du, wenn ich diverse andere Stellen aus der Apostelgeschichte nutze, um noch ganz andere Dinge zu "Lehren" zu ernennen (Bsp. Apg.20,29 in Sachen Älteste, Apg. 28,1ff i.V. mit Mk. !6 in Sachen Gaben u.v.m.)?
Mein Eindruck: du kommst vom "Denksystem" - was Michael ja in einem andern thread treffend zitierend sogar "Geschichtsphilosophie" nannte - zum Text, und kommst dadurch zu seltsamen, aber eben wieder systemkonformen Ergebnissen.

Rüdiger hat geschrieben:Das steht doch im Text: "wenn ihr zusammenkommt".

Genau, wenn ihr zusammenkommt hat ein jeder (wer ist übrigens jeder), und nicht bekommt ein jeder! Er / sie bringt also etwas - was er hat - mit.

Rüdiger hat geschrieben:Hattet ihr "Gesichte" (göttliche Offenbarungen)?

Der Herr schenkte uns eine gemeinsame, sehr klare Sicht unseres Auftrags.

Rüdiger hat geschrieben:Mit "Liebe" wird heute so manches Unschriftgemäße gerechtfertigt (z.B. Homo-Segnungen).

Ja genau :roll:

Blessings
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Re: Neo-Brüdertum

Beitragvon Anke am Di 31. Dez 2013, 11:24

Lieber Christian
Erstmals danke für Deine Offenheit und prompte Antwort.

Christian O. hat geschrieben:Ich gedenke auch nicht mich / uns zu rechtfertigen, wir haben auch kein Problem damit, nicht mehr als Brüdergemeinde wahrgenommen zu werden.

Das kann ich verstehen. Nun, so denke ich, ergibt sich mir ein erkennbareres Bild. Anscheinend seid Ihr sehr evangelistisch ausgerichtet, und da ist ja auch Wachstum :-) Für die neu Hinzugekommenen ist Dein Hintergrund (Brüdergemeinde) ja auch nur indirekt von Bedeutung. Das Ziel/die Ausrichtung ist der HERR und SEIN Wort (Nahrung...) und nicht die Zugehörigkeit zu einer Denomination (nicht die Identifikation mit einer Gemeinderichtung).

Christian O. hat geschrieben:dieser Standpunkt lässt sich nicht in 5 Sätzen zusammenfassen.

Ok. Werde mir in den Tagen die entsprechenden Seiten noch durchlesen.

Christian O. hat geschrieben:Wir feiern jeden Sonntag Abendmahl, nicht aber wenn wir besondere Gottesdienste für Besucher haben. Feiert Ihr bei Evangelisationen Abendmahl?

"Ihr" gibt es so bei mir nicht :-) Ich pendle, aufgrund von 2-3 verschiedenen "Wohn"orten (Aufgaben), seit einiger Zeit hin-und-her. Einerseits bin ich an einem Ort in einer AV (italienischsprechend); am anderen Ort in einer Ex-AV (Trennung in den 90er Jahren: unterscheidet sich aber nur in Wenigem von der AV) und einer Zusammenkunft mit Geschwistern ganz unterschiedlicher Herkunft (AV, Freie Brüder, Ex-Katholiken usw. usf.). Wobei Letztere örtliche Versammlung dem am Ehesten entspricht wonach ich lange (gemeindlich) suchte :-) Nur in der zweitgenannten örtlichen Versammlung finden Vorträge statt, die ich so nicht als Evangelisationsveranstaltung einstufen würde. Es gibt aber einen Bibelstand und Unterstützung von Evangelisten. Die erstgenannte Versammlung ist in einem privaten Haus (bei Vollzeitigen/AV), da wird ausserhalb des Hauses evangelisiert, respektive kommen Neue hinzu durch Postversendungen (Evangelium, Kalender, Bibel, Schriften etc. - gratis). In der Drittgenannten kommen "Neue" meist unter der Woche zu den Bibelstunden am Abend hinzu. Evangelisiert wird hier von einzelnen Geschwistern ausserhalb und viel im Internet und per Anzeigen in Zeitungen und Bibel- und Bücherversand (auch gratis).

Christian O. hat geschrieben:Textintern hängt es z.B. in 1.Kor.13 an den Fragen a) was ist das "Vollkommene" und b) wann ist der Zeitpunkt des Aufhörens von Sprachen und stückweiseer Erkenntnis;

Das wäre vielleicht gut zu besprechen - je nach Bedarf/Admin - in einem neuen Thread?

Christian O. hat geschrieben:Und wir haben so manches nicht über Bord geworfen, was solchen Brüder wie Georg Müller etc. sehr wichtig war. Aber das wird dann wahrscheinlich schon der "falsche Zweig" der Brüderbewegung sein.

Das verstehe ich, und ist zu bedauern, wenn das als "falscher Zweig" gesehen wird. Hat der damalige Streit/Spaltung mit Darby heutzutage noch so eine Bedeutung? Kannst Du, wenn Du magst, vielleicht noch mehr dazu schreiben (was habt ihr beibehalten, von dem was wichtig war/ist)?

kleiner hat geschrieben:Liebe zu Gott und den Menschen einerseits und Lehre bzw. Inhalte der Bibel andrerseits müssen schon konform gehen.

Wie auch Du schliesse ich mich dem was "kleiner" geschrieben hat vollkommen an.
Auch Dir viel Freude und Licht im Ergreifen der Segnungen.
Herzliche Grüsse, Anita
Anke
 
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Re: Neo-Brüdertum

Beitragvon schneid9 am Di 31. Dez 2013, 18:01

Lieber Rüdiger,

Rüdiger hat geschrieben:1. Korinther 14,26: »Was ist es nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommet, so hat ein jeder von euch einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Sprache, hat eine Offenbarung, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung.«

Ist das bei euch in der Versammlung/Gemeinde wirklich so: Jeder Bruder bringt einen Beitrag mit? Wie viele seid ihr? Wie lange dauern eure Zusammenkünfte?

Ich staune immer wieder, wenn 1Kor 14,26 als Anweisung verstanden wird, so als stünde dort nicht »so hat ein jeder«, sondern »so habe ein jeder« (manchmal wird die Stelle tatsächlich dahingehend verfälscht!). In Wirklichkeit beschreibt Paulus hier m.E. nur den Ist-Zustand in Korinth, etwa in dem Sinne: »Bei euch ist es so, dass jeder zu den Zusammenkünften einen Beitrag mitbringt. Das ist grundsätzlich in Ordnung, aber achtet darauf, dass alles zur Erbauung geschieht.«

Cor Bruins geht in seinem Buch Reden in Sprachen? Eine Vers-für-Vers-Auslegung von 1. Korinther 14 (Lychen: Daniel-Verlag 2005, S. 85) noch einen Schritt weiter und sieht in dem Vers sogar einen Tadel:

Cor Bruins hat geschrieben:Viele denken, Paulus würde die Korinther hier für ihr Handeln loben, aber im Gegenteil, er lobt sie gerade nicht (siehe auch Vine). Er beschreibt nur, was andere ihm über den tatsächlichen Stand der Dinge bei den Zusammenkünften in Korinth berichtet haben. Es sind chaotische Zustände! Jeder tut, was ihm gerade in den Sinn kommt. Mir scheint, dass der ganze Vers, so wie er ja mit einem Fragesatz beginnt, sich auch danach aus einer Serie von Fragen zusammensetzt. Diese Annahme ist begründet, denn wir glauben doch nicht, Paulus hätte gemeint, dass innerhalb einer Zusammenkunft wirklich jedes einzelne Glied der korinthischen Gemeinde aufgefordert war, seine bzw. ihre Gabe auszuüben und sich mit jeder der aufgezählten Aktivitäten zu beteiligen. Nicht jeder Gläubige hatte einen Psalm oder eine Lehre, eine Offenbarung oder eine Sprache oder eine Auslegung! In diesem Sinn scheint Paulus die Frage zu stellen: »Hat ein jeder von euch ...?«, und die Antwort ist offensichtlich: »Nein!« Wir haben hier einen Hinweis auf das Durcheinander, das unter den Korinthern herrschte, denn das war genau die Art und Weise, wie sie ihre Zusammenkünfte abhielten! Es war ein fürchterlicher Wirrwarr, alle redeten und sangen durcheinander, sodass eine einzige Kakophonie entstand (ein Missklang von Tönen). Das ist also der Grund für diesen Abschnitt (V. 26-40): Er ist geschrieben, um diese Dinge zu ordnen. Sie hatten keine Kontrolle über ihre Gaben, deshalb muss Paulus ihnen in Vers 32 sagen: »Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan.« [Hervorhebung hinzugefügt]

Das schreibt wohlgemerkt kein Anhänger des Ein-Mann-Dienstes, sondern ein »geschlossener Bruder«! (Das englische Original des Buches erschien 1996 bei Scripture Truth Publications.)

Rüdiger hat geschrieben:1. Korinther 14,34.35: »Eure Weiber sollen schweigen in den Versammlungen, denn es ist ihnen nicht erlaubt zu reden, sondern unterwürfig zu sein, wie auch das Gesetz sagt ... denn es ist schändlich für ein Weib, in der Versammlung zu reden.«

Einen wichtigen (vielleicht den entscheidenden) Teil des Verses 35 hast du ausgelassen: Wo deine drei Pünktchen stehen, heißt es ja eigentlich noch: »Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen«. Das deutet doch sehr stark darauf hin, dass Paulus' Kritik sich gegen störende Zwischenfragen richtet, durch die sich Frauen ungebührlich in den Vordergrund drängten. Oder welchen Sinn sollte der erste Teil von Vers 35 sonst haben? Bibeltexte sind ja keine zusammenhanglosen Zitatsammlungen, aus denen man sich herauspicken kann, was einem zusagt.

Rüdiger hat geschrieben:Jeremia 29,8: »höret nicht auf eure Träume, die ihr euch träumen lasset.«

Das kannst du ja wohl kaum ernst gemeint haben, oder? Auch hier hilft der Zusammenhang:

Denn so spricht der HERR der Heerscharen, der Gott Israels: Laßt euch von euren Propheten, die in eurer Mitte sind, und von euren Wahrsagern nicht täuschen! Und hört nicht auf eure Träume, die ihr euch träumen laßt! Denn Lüge weissagen sie euch in meinem Namen; ich habe sie nicht gesandt, spricht der HERR. Denn so spricht der HERR: Erst wenn siebzig Jahre für Babel voll sind, werde ich mich euer annehmen und mein gutes Wort, euch an diesen Ort zurückzubringen, an euch erfüllen. (Jer 29,8-10)

Es gab damals also Propheten, die fälschlicherweise voraussagten, die babylonische Gefangenschaft werde weniger als 70 Jahre dauern. Vor diesen Propheten warnt Gott hier. Mit Christian O.s Gemeinde hat das nicht das Geringste zu tun!
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Re: Neo-Brüdertum

Beitragvon kleiner am Di 31. Dez 2013, 18:38

schneid9 hat geschrieben:Einen wichtigen (vielleicht den entscheidenden) Teil des Verses 35 hast du ausgelassen: Wo deine drei Pünktchen stehen, heißt es ja eigentlich noch: »Wenn sie aber etwas lernen wollen, so sollen sie daheim ihre eigenen Männer fragen«. Das deutet doch sehr stark darauf hin, dass Paulus' Kritik sich gegen störende Zwischenfragen richtet, durch die sich Frauen ungebührlich in den Vordergrund drängten. Oder welchen Sinn sollte der erste Teil von Vers 35 sonst haben? Bibeltexte sind ja keine zusammenhanglosen Zitatsammlungen, aus denen man sich herauspicken kann, was einem zusagt.

Ich habe zwei Fragen dazu : a) Was machten die Frauen, die keine Männer zu Hause hatten? b) Was sagt das Gesetz über das Schweigen der Frauen in der Versammlung?
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Re: Neo-Brüdertum

Beitragvon schneid9 am Di 31. Dez 2013, 20:03

kleiner hat geschrieben:a) Was machten die Frauen, die keine Männer zu Hause hatten?

Darüber sagt der Text leider nichts, deshalb kann jede Antwort darauf nur fehlbare menschliche Schlussfolgerung sein. Einige Ausleger meinen, dass solche Frauen andere männliche Verwandte fragen sollten (z.B. MacDonald), andere meinen, dass sie ihre Fragen eben doch öffentlich stellen durften (z.B. Walvoord/Zuck).

kleiner hat geschrieben:b) Was sagt das Gesetz über das Schweigen der Frauen in der Versammlung?

Nichts, aber das behauptet Paulus ja auch gar nicht; er sagt nur, dass Frauen sich unterordnen sollen, "wie auch das Gesetz sagt". Da im mosaischen Gesetz auch nichts von Unterordnung steht, muss der Ausdruck "Gesetz" hier eine umfassendere Bedeutung haben; gedacht ist vielleicht an Stellen wie 1Mo 3,16b.
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