Volker Jordan †

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Volker Jordan †

Beitragvon schneid9 am Do 10. Jan 2013, 15:46

Volker Jordan, Verfasser der Studie Die "Christliche Versammlung" in Deutschland von den Anfängen bis 1945 (Buchausgabe unter dem Titel Widerstand der Brüderbewegung im Dritten Reich, VTR 2004), ist gestern Morgen im Alter von 40 Jahren einem schweren Krebsleiden erlegen.

Volker war fast zeitlebens ein religiös Suchender. Hineingeboren in die evangelische Landeskirche, kam er schon während seiner Jugend mit Baptisten, EC und Pfingstbewegung in Kontakt und trat im Alter von 15 Jahren aus der Kirche aus. 1990 nahm er Jesus Christus als seinen persönlichen Retter an. Während seines Studiums geriet er in allversöhnerische Kreise, aber auch dort hielt es ihn nicht lange; ab 1992 besuchte er die Zusammenkünfte der "geschlossenen Brüder", wo er 1993 zum Brotbrechen zugelassen wurde. Er engagierte sich als Dolmetscher und Übersetzer bei ihren Konferenzen, schrieb die o.g. Seminararbeit und kannte viele der "vollzeitlich im Werk des Herrn tätigen Brüder" persönlich. Durch die Lektüre calvinistischer Literatur kamen ihm jedoch
zunehmend Zweifel am (kirchengeschichtlich relativ jungen) Dispensationalismus, sodass er sich 2002 von den "Brüdern" trennte und sich dem Calvinismus zuwandte, ohne allerdings in Deutschland eine ihn völlig zufriedenstellende reformierte Kirche oder Gemeinde zu finden. Seine fortdauernde Sehnsucht nach den "christlichen Wurzeln", nach der wahren, historisch legitimen und richtigen Kirche führte ihn schließlich 2006 in die russisch-orthodoxe und 2008 in die römisch-katholische Kirche, der er bis zuletzt treu blieb; hier meinte er nun endlich den "vollkommensten und umfassendsten Ausdruck des Christentums" gefunden zu
haben.

Volkers geistlicher Werdegang erscheint in manchem befremdlich und schwer nachvollziehbar. Seine Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit stehen für mich jedoch außer Frage, und ich bin überzeugt, dass er jetzt seine wahre Heimat gefunden hat, von wo aus er manche Wege und Irrwege in anderem Licht sehen wird.

Ein Nachruf aus katholischer Sicht findet sich hier.
Michael Schneider
schneid9
 
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Re: Volker Jordan †

Beitragvon Robert am Do 24. Jan 2013, 19:25

Es fällt mir schwer zu glauben was ich hier lese.Wo immer dieser Mann jetzt ist, es tut mir Leid daß solche Wege gegangen werden.Gab es niemanden, der ihn richtig führen und belehren konnte? :oops:
Liebe Grüße Robert
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Re: Volker Jordan †

Beitragvon ExAVler am Sa 26. Jan 2013, 18:09

Was für eine Vita!

Ich kenne Volker Jordan nicht. In seinem persönlichen Vorwort zu der zitierten Ausarbeitung schreibt er : „Meine damalige Trennung von ihr erfolgte nicht aus persönlichen, sondern ausschließlich aus lehrmäßigen Gründen.“ Er wechselt wegen wechselnder Lehrmeinungen von einem Biotop in nächste, verläßt Gemeinschaften und verbrüdert sich, um dann wieder zu verlassen. Dieser Mann lebte vor , dass Lehre trennt, unstet und rastlos macht und auch heimatlos. Wie geknechtet war er ? Wie bestimmt von dem Wahn, es ginge einzig darum, die einzig richtige Lehrmeinung zu finden, wie ge- und immer wieder vertrieben von dem Zwang die richtige alleingültige Lehre zu finden ! Geknechtete des Buchstabenglaubens, immer auf der Suche nach dem noch genaueren Wort ! Nirgendwo einen Platz zum Beine ausstrecken! Niemals ein endgültiges friedenschaffendes und entspannendes : „ Hier ist mein Platz! Da ist meine Heimat!“ Stattdessen immer weiter suchen müssen, von jeder Lehre ein Stück rastloser werden. Wie viele Verbrüderungen! Wie viele Brüche!

Lehre trennt auf furchtbare Weise! Lehrmeinungen halten bis zur nächsten Wegbiegung! Im Irrgarten der Lehrmeinungen kommt immer wieder ein neues Dogma um die Ecke. Und dann versperrt Buchstabenglaube den Weg, die Sicht und verhindert gerade, kraftvolle und klare Lebensläufe oder die Lehrmeinungen hindert die, die Ihnen anhängen an einem weiten offenen Blick auf die anderen Visionen, die es auf der Welt gibt.

Die zwanghafte Manie, Gott in jedem Komma und in jedem Nebensatz richtig verstehen zu müssen macht abhängig, knebelt, und am Ende vielleicht schon vor der Zeit unendlich müde. Ich kannte diesen Volker nicht, weiß auch nicht, ob er unter dem Suchen gelitten hat, kenne aber dieses zwanghafte Suchen. Ich habe Gott auch lange nicht geglaubt und zugetraut, dass er auf Lehrmeinungen keinen Wert legt, habe Gott ein kleingeistiges Schwarzweißrichtigfalschdenken unterstellt und jahrelang darum gerungen, alles richtig zu machen. Begriffen habe ich Gott erst, als ich das alles abgehakt habe. Seit dem bin ich frei und habe verstanden, dass ich wo immer ich hingehe nach Hause gehe. Das Glaube ein Geschenk ist, das man nicht mit Bibelstellen belegen muss. Tiefer Glaube hat mehr Fundament, wenn er mehr auf dem persönlichen Wahrheitsempfinden des Menschen beruht , als auf einem Kodex von Lehrmeinungen.

Ihr Brüder macht Euch schuldig, wenn Ihr Eure Lehre über den Glauben und vielleicht auch die Liebe stellt! Lehre trennt. Nur Wohlwollen, Toleranz und Liebe einen. Vielleicht lernt Ihr ein wenig bei den Juden. Da diskutieren sich die einzelnen Schulen und Richtungen die Köpfe heiß. Es gibt so viele Meinungen wie Protagonisten aber keiner läuft Gefahr, wegen einer abweichenden Meinung nicht mehr Jude sein zu dürfen. Wenn Ihr Euren Brüdern nicht aus der Abhängigkeit von Versen und Kapiteln helft , macht Ihr aus Ihnen unstete Suchende und nicht kraftvoll Befreite oder sie verkümmern und verkrusten.

Ich kenne diesen Volker Jordan nicht. Mag sein, dass er ein starker, freier und glücklicher Mann gewesen ist. Vorstellen kann ich mir das nicht. Ich kann mir aber vorstellen, was ihn getrieben hat, kann mir aus eigener Erfahrung vorstellen, welche Not Menschen durchmachen, die dem Zwang unterstehen, jedes Wort so bibeltreu wie möglich verstehen zu müssen, die Angst haben, sie könnten „danebengeglaubt“ haben. Möge ihm die Ruhe des Nicht-Mehr-Suchen-Müssens gegönnt sein, möge er sich entspannt dort befinden, wo er vor seiner Geburt war, vielleicht auch dort, wo er nach dem Tod hinwollte und dort feststellen, dass Gott so freundlich ist, uns nicht deshalb zu retten, weil wir Würstchen so vermessen waren, unsere Würstchenweisheit für heilsbringend zu halten.

Eins ist sicher: Wenn Gott nicht freundlich ist, haben wir alle keine Chance, egal welchem Buchstaben wir geglaubt haben.
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Re: Volker Jordan †

Beitragvon Skeptiker am So 10. Feb 2013, 18:11

Robert hat geschrieben:Es fällt mir schwer zu glauben was ich hier lese.Wo immer dieser Mann jetzt ist, es tut mir Leid daß solche Wege gegangen werden.Gab es niemanden, der ihn richtig führen und belehren konnte? :oops:

Der Mann ist gestorben. Angesichts dessen sollte man einfach mal die Klappe halten, statt solche Seitenhiebe gegen jemanden auszuteilen, der sich nicht mehr wehren kann. Oder hast Du in der Sonntagsschule gefehlt, als dort Anstand behandelt wurde?
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Re: Volker Jordan †

Beitragvon Robert am Di 19. Feb 2013, 10:49

"außer Frage, und ich bin überzeugt, dass er jetzt seine wahre Heimat gefunden hat, von wo aus er manche Wege und Irrwege in anderem Licht sehen wird."

Hast Du das nicht gelesen? Darauf habe ich geantwortet, darf man das nicht?
Liebe Grüße Robert
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